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Während in den Medien oft von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Rede ist, wird von Lehrkräften mit Migrationshintergrund nur selten gesprochen. Doch auch davon gibt es inzwischen viele. Ein Forscherinnenteam der Freien Universität Berlin hat sich jetzt eingehender mit ihnen beschäftigt. Ihr Fazit lautet, dass Lehrer, die selbst Kinder von Einwanderern sind, oft ein vertrauensvolleres Verhältnis zu ihren Schülern unterhalten; auch dann, wenn sie nicht aus demselben Land stammen. Sie kennen die sprachlichen und kulturellen Probleme der Kinder und Jugendlichen aus eigener Erfahrung. Deshalb können sie bewusster damit umgehen und wertvolle Ratschläge geben.
Die meisten Lehrkräfte, die von den Forscherinnen befragt wurden, stammten aus Familien von Einwanderern, die im Zuge der Anwerbung von Arbeitsmigranten in den 50-er und 60-er Jahren oder in Folge von Familienzusammenführungen nach Deutschland gekommen sind. Ihre Eltern verfügten größtenteils nicht über eine hohe formale Bildung, konnten ihren Kindern aber trotzdem eine positive Haltung zur Bildung vermitteln, sodass sie sich letztlich für den Lehrberuf entschieden.
Die Mehrzahl von ihnen gab an, im Unterricht Deutsch mit den Schülern zu sprechen. Außerhalb des Unterrichts hingegen setzen sie häufig die Herkunftssprachen als Kommunikationsmittel ein und beschreiben sie als eine wichtige Ressource zur Förderung, zur Anerkennung und als Grundlage für den Aufbau von Vertrauen.
Das besondere Vertrauensverhältnis der Lehrkräfte mit Migrationshintergrund zu ihren Schülern basiert der Studie zufolge darauf, dass sie die gleichen migrationsspezifischen Erfahrungen gemacht haben oder dass die Schüler dies jedenfalls annehmen. Obwohl die Befragten die Rolle eines Sozialarbeiters entschieden zurückweisen, übernehmen sie häufig Aufgaben in ihren Schulen, die von Sozialarbeit und Psychologie geprägt sind; vor allem dort, wo es um die Unterstützung von Schülern mit Migrationshintergrund in schwierigen Lebenssituationen geht, oder bei Familienkonflikten, für die kulturspezifisches Wissen und Sensibilität vonnöten sind.
Die Forscherinnen gehen davon aus, dass diese Lehrkräfte aus eigener Erfahrung ein Gefühl der besonderen Verantwortung und Anwaltschaft für Minderheiten entwickeln. Als Resümee ihrer Studie gelangen die Forscherinnen zu der Schlussfolgerung, dass diese Lehrkräfte ein Schlüssel zur interkulturellen Schulentwicklung in Deutschland sind, jedoch kein Allheilmittel für die gesellschaftliche Integration. Folglich empfehlen sie die gezielte Anwerbung und Rekrutierung von Lehrenden mit Zuwanderungsbiographie.
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