Start Wissenswertes Wissenschaft und Forschung Steht der Individualismus der Entwicklung von Einfühlungsvermögen im Weg?
Steht der Individualismus der Entwicklung von Einfühlungsvermögen im Weg?
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Individualismus und Selbstverwirklichung besitzen in den westlichen Industrienationen einen hohen Stellenwert. Erst in den letzten Jahren wird zunehmend auch in der Wirtschaft von Jobbewerbern wieder vor allem Teamfähigkeit verlangt. Natürlich hat keine Schule und kein Kindergarten der Welt die Gelegenheit, jedes Kind einzeln zu unterrichten. Dort sollte also die Basis für ein harmonisches Zusammenarbeiten und Zusammenleben gelegt werden. Dass davon die Gesellschaft als Ganze profitiert, untermauert eine Studie der Universität Chicago, der zufolge sich das (zeitweise) Zusammenleben in Gruppen nachweislich positiv auf zwischenmenschliche Beziehungen auswirkt.

Menschen aus Kulturen, in denen Kollektivität hoch im Kurs steht und gefördert wird, können offenbar sehr viel besser die Perspektive eines anderen Menschen einnehmen als Menschen aus westlichen Kulturen. So haben beispielsweise Amerikaner im Vergleich zu Chinesen extreme Schwierigkeiten, auch nur auf einer rein räumlichen Ebene zu erkennen, was ihr Gegenüber gerade sieht und was nicht.

Die Mitglieder von kollektivistischen Kulturen (wie in diesem Falle eben der chinesischen) sind sich zumeist der Tatsache bewusst, dass sie in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander leben. Ihre Selbstbilder sind deshalb bestimmt durch Beziehungen und Verpflichtungen gegenüber ihren Mitmenschen. Die Angehörigen individualistischer Kulturen hingegen streben im Allgemeinen nach Unabhängigkeit. Ihre Selbstbilder werden bestimmt durch ihr Handeln und durch das, was sie erreicht haben. Anscheinend wird die menschliche Fähigkeit, zwischen dem Ich und den Mitmenschen zu unterscheiden, durch das Bewusstsein um die gegenseitige Abhängigkeit in der Gesellschaft langfristig geschult. Die Weiterentwicklung dieser Fähigkeit erlaubt es den kollektivistischen Kulturen, die Handlungen anderer Menschen aus deren Perspektive zu verstehen. In den individualistisch geprägten Kulturen ist diese Fähigkeit jedoch inzwischen teilweise verkümmert.

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Kommentare  

 
+3 #1 2010-04-12 22:30
Der Artikel bezüglich Empathie, hat mir sehr gut gefallen und ich vertrete die gleiche Ansicht. Bis auf einen Punkt, der besagt, dass das Einfühlungsverm ögen gegenüber seinen Mitmenschen in der westlichen Welt teilweise verkümmert ist, ist meines Erachtens nicht mehr aktuell. In vielen Institutionen wie der Schule will man wieder diese Werte vermitteln. Weil die Welt nicht für einen alleine da ist, sondern für alle. Ein Mensch, der ausschließlich aus egoistischen Motiven handelt, hat seine Identität nicht ausgewogen entworfen vielmehr ist sie gestört. Einfühlungsverm ögen haben nur die Menschen, die eine ausgewogene Identiät entwickelt haben, sprich, eine Balance zwischen der Befriedigung der eigenen Bedürfnissen und den Erwartungen seiner Mitmenschen.
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