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Hikmet Isik
Im finsteren vorislamischen Zeitalter der Unwissenheit wurden Frauen ausgebeutet, als Sklavinnen gehalten und wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Der Islam nahm sich dieser schutzlosenarmen Kreaturen an und erhöhte sie auf die Rangstufe erhabener Geschöpfe. Er sah in den Frauen keine Werkzeuge, die dem Vergnügen der Männer zu dienen hatten, und legte ihnen das Paradies zu Füßen. Wenn man die maßgeblichen Quellen des Islams und die beispielhaften Biografien der ersten beiden Muslimgenerationen nach dem Gesandten Gottes aufmerksam studiert, so wird man feststellen, dass muslimische Frauen zu jener Zeit absolut nicht an ihr Heim gefesselt waren und erst recht nicht unterdrückt wurden. Wenn diejenigen, die entsprechende Behauptungen aufstellen, frei von Vorurteilen sind und nicht absichtlich unkorrekte Vermutungen äußern, dann ist ihr falscher Eindruck wohl einerseits darauf zurückzuführen, dass grundlegende Prinzipien, die der Islam in dieser AngelegenheitAngelegenheit vorgibt, zum Teil schlichtweg ignoriert werden. Andererseits wurde der Islam immer wieder in seiner Geschichte fälschlicherweise mit Konzepten identifiziert, die nichts mit ihm selbst zu tun haben, sondern eine Mixtur aus Religion und lokalen Sitten und Gebräuchen darstellen.
Keine andere Religion hat den Frauen so umfassende Rechte eingeräumt wie der Islam. Der Koran, die Praxis des Propheten und die Geschichte des Islams (letztere abgesehen von wenigen Ausnahmen, die auf ein Fehlverhalten einzelner Personen zurückgehen) zeigen ganz deutlich, dass Frauen nirgends so hohes Ansehen genießen wie in muslimischen Gesellschaften oder in wahrhaft islamischen Systemen. Selbst jene Gesellschaften, da die heutzutage als die am höchsten entwickelten gelten, sind bei diesem Thema alles andere als fortschrittlich und halten einem Vergleich mit dem Islam kaum stand.
In solchen modernen Gesellschaften besitzen die Frauen zwar gewisse Freiheiten. Diese liegen jedoch oft vor allem darin, bestimmte sinnliche Gelüste befriedigen zu dürfen; und so eine Form der Freiheit widerspricht - sowohl bei Männern als auch bei Frauen - der unverfälschten menschlichen Natur und dem gesunden Menschenverstand. Sie wird von keiner der Offenbarungsreligionen gut geheißen. In den vergangenen Jahrhunderten haben blutige Kriege zwischen den Staaten und ökonomische Zwänge dafür gesorgt, dass es den Menschen immer schwieriger gemacht wurde, sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dieser Umstand hat viele Frauen dazu getrieben, sich in den Arbeitsmarkt einzugliedern und ihr Zuhause zu verlassen. Sie begannen, ihr eigenes Geld zu verdienen, und erwarben sich als Individuen ökonomische Freiheit. In zahlreichen Fällen aber bewahrte sie das nicht davor, von Arbeitgebern ausgebeutet zu werden, die vornehmlich daran interessiert waren, von den körperlichen Reizen der Frauen zu profitieren. Zwar haben speziell die Frauen in westlichen Gesellschaften enorme Beiträge zur Wirtschaft ihrer Länder geleistet und gewaltige materielle Werte geschaffen. Doch nur allzu oft fiel ihnen lediglich die Aufgabe zu, die sinnlichen Begierden der Männer zu befriedigen. Liebe fanden viele von ihnen leider nur für kurze Momente, und bisweilen erwies sich diese Liebe auch noch als oberflächlich und unecht. Früher waren die Frauen auch in diesen Gesellschaften als Töchter, Schwestern, Ehefrauen, Mütter und Großmütter respektiert und geliebt worden. Doch damit war es nun vorbei, und diese Gefühle können niemals und durch nichts ersetzt werden. Auf lange Sicht betrachtet wurden die Frauen auch weiterhin ausgebeutet - diesmal jedoch unter dem Deckmantel der Freiheit und mit Hilfe moderner Techniken (!). Sie verloren die meisten ihrer unveräußerlichen Rechte und wurden nicht weniger ungeniert missbraucht als in den finstersten Zeiten der Geschichte.
Bedingt durch all die Ungerechtigkeiten, die Frauen widerfuhren, entstand in der westlichen Welt eine Bewegung, die endlich gleiche Rechte für Frauen einforderte. Dieser Bewegung wird oft zugutegehalten, sie verkörpere das Erwachen der Frauen, doch letztendlich stellt sie lediglich eine Reaktion auf einen Missstand dar. Und ähnlich wie alle anderen reaktionären Bewegungen war auch sie nicht dazu in der Lage, ein Gleichgewicht herzustellen, und endete in Extremen. Ihr Ausgangspunkt war die Verteidigung der Frauen gewesen, doch wurde dieses ursprüngliche Ziel mit der Zeit aus den Augen verloren. Was blieb, waren Hass und Groll auf die Männer. Die Bewegung des Feminismus, die aus der Idee geboren worden war, Frauen zu schützen und ihnen die gleichen Rechte zu verschaffen wie den Männern, war in erster Linie eine Bewegung der Unzufriedenheit. Hinterlassen hat sie vor allem Sehnsucht, Leid und Scherben. Die Vertreterinnen des Feminismus und seiner verschiedenartigen Ausprägungen sind von ihrem ursprünglichen Weg abgekommen, sodass aus dem Schutz der Frauenrechte der Versuch wurde, eine Herrschaft der Frauen zu etablieren.
Zwei Körper, eine Seele
Gott hat die Frau als PartnerinPartner des Mannes erschaffen. Er kann ebenso wenig ohne sie sein wie sie ohne ihn. Dem Sufigelehrten und Dichter Muhammed Lutfi Effendi (gest. 1956) zufolge war Adam im Paradies nicht frei von Kummer gewesen, bevor Eva zu ihm kam. Und wäre Eva zuerst erschaffen worden, so wäre es ihr genauso ergangen Zeit; denn von ihrer Wesensart her konnten beide nicht ohne einander auskommen. Sie waren wie zwei Körper mit nur einer Seele und repräsentierten die zwei unterschiedlichen Gesichter einer einzigen Wahrheit. Gott hat Frauen und Männer als Gegenpole füreinander erschaffen, ähnlich wie da Er das Elektron als Gegenpol für das Proton erschaffen hat, das Negative als Gegenpol zum Positiven oder das weibliche Samenkorn als Gegenpol zum männlichen Samenkorn. Aus diesen Paaren komponierte Er das große Ganze, und ganz sicher entspricht es Seinem Willen, dass Frau und Mann ein Paar bilden. So wie das Positive an das Negative gebunden ist, wie das Elektron an das Proton, die wie Nacht an den Tag, wie der Sommer an den Winter undwie die Erde an den Himmel, wurden Frauen und Männer als voneinander abhängig erschaffen. Der Gesandte Gottes drückte es einmal folgendermaßen aus: Frauen sind sicherlich die zweite Hälfte der Männer.
In Bezug auf ihr Menschsein stellen Frauen und Männer einander ebenbürtige Hälften dar. In jeder Beziehung gleich sind sie jedoch nicht, da sie über eine unterschiedliche Wesensart, unterschiedliche körperliche Potentiale, geistige Welten und psychologische Strukturen verfügen. Weder ist der Mann eine biologisch ausgereifte Version der Frau noch die Frau eine minder oder höher entwickelte Version des Mannes. Männer wie Frauen sind individuelle menschliche Geschöpfe, die aufeinander angewiesen sind. Dieses ausgewogene Verständnis sorgte dafür, dass die Position der Frauen in der Gesellschaft zur Zeit des Propheten entscheidend gestärkt wurde. Damals wurde den Frauen das Ansehen zurückgegeben, das sie verdienten. Fortan übernahmen sie wieder Verantwortung in Bereichen, die ihrem Naturell entsprachen. Diese große Revolution fand in einem finsteren Zeitalter statt, als die Welt ringsum in Barbarei zu versinken drohte und allgemein ernsthaft bezweifelt wurde, ob Frauen eine Seele haben oder nicht.
Der Platz der Frauen zwischen den Extremen
Der Islam hat den Frauen nichts weggenommen, er hat sie lediglich von einigen Pflichten befreit. Zum Beispiel müssen sie nicht am Gemeinschaftsgebet teilnehmen und die damit verbundenen Predigten hören. Sie müssen nicht fasten, nicht zu bestimmten Zeiten beten und auch keine Lohnarbeit leisten, um sich selbst oder ihre Familien zu ernähren. Andererseits aber verbietet der Islam auch keiner Frau, freiwillig an Gemeinschaftsgebeten wie dem Freitagsgebet teilzunehmen. In der einschlägigen Literatur zu den Aussprüchen und dem Leben des Propheten finden sich Berichte darüber, dass Frauen an unterschiedlichen Gemeinschaftsgebeten teilnahmen, unter anderem am Gebet um Regen.
Wie eng verbunden der Islam den Frauen ist, zeigt sich darin, dass er ihnen nicht die gleichen Pflichten auferlegt wie den Männern. Diese Manifestation der Gnade Gottes beruht auf folgendem Grundsatz: Frauen sind im Allgemeinen mitfühlender und barmherziger als Männer. Und als Kompliment für ihr überwältigendes Mitgefühl hat der Barmherzige Schöpfer, der der einzige Besitzer wahrer Barmherzigkeit ist, sie mit anderen Beweisen Seiner Gunst bedacht und sie von bestimmten Pflichten befreit.
Dem Islam zufolge beschränkt sich die Rolle der Frauen in dieser Welt nicht auf die Arbeit im Haushalt oder das Aufziehen von Kindern. Solange es nicht ihrer natürlichen Wesensart oder den religiösen Geboten widerspricht, Anforderungen ist sie sogar dazu verpflichtet, in allen Bereichen der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen und sich vor allem überall dort zu engagieren, wo dies Männern nicht gelingt. Allerdings wurde diese Realität auch unter Muslimen lange Zeit ausgeblendet. Unversöhnliche und kompromisslose Sichtweisen und Weltanschauungen haben das System der Aufgabenteilung, das auf wechselseitiger Unterstützung von Frauen und Männern basierte, aus dem Gleichgewicht gebracht. Und in der Folge gerieten auch das Familienleben und das Leben in der Gesellschaft durcheinander. Unterschiedliche Wahrnehmungen der Völker hinsichtlich ihres eigenen historischen Erbes als Teil des Islams, die Tatsache, dass sie ihre Sitten und Gebräuche mit islamischen Grundprinzipien verwechselten, und die Unart, dass sie auf Basis dieser Sitten und Gebräuche urteilten - all das hat dazu geführt, dass die Frauen ihrer Rechte beraubt wurden. Tag um Tag hat man ihre Kreise immer weiter eingeengt, und mancherorts hat man sie völlig aus dem Alltagsleben ausgeschlossen, ohne jemals darüber nachzudenken, was eine solche Behandlung für Folgen haben muss. Aber: Entsprechende Geisteshaltungen und Vorgehensweisen sind nicht dem Islam anzulasten, sondern denjenigen, die ihre Religion missverstehen und falsch handhaben. Fehler dieser Art müssen zweifellos ausgeräumt werden - allerdings nicht von einem feministischen Standpunkt aus, denn dieser strebt kein Gleichgewicht an und ersetzt nur ein Extrem durch ein anderes. Zweifellos ist es hässlich und geschmacklos, Frauen nur als Kinder gebärende Objekte zu betrachten. Doch ebenso unschicklich und unnatürlich ist es, eine Gesellschaft aufzubauen, in der es den Frauen schwer gemacht wird, Kinder zu bekommen und großzuziehen, oder in der Frauen dazu genötigt werden, gegen die Ehe zu rebellieren und das Kinderkriegen zu vermeiden, nur um zu zeigen, dass sie keine Gebärmaschinen sind. Keine Frau muss sich vorschreiben lassen, dass ihr Platz in der Küche beim schmutzigen Geschirr ist; schließlich ist sie kein Teller, der gespült werden müsste. Andererseits aber kann eine Frau, die behauptet, keinerlei Verpflichtungen im Haushalt zu haben, und ihr Heim dadurch in eine bloße Herberge zum Essen und Schlafen verwandelt, ihren Kindern keine gute Mutter, keine gute Lehrerin und auch keine gute spirituelle Ratgeberin sein.
Abgesehen davon ist es nur eine andere Form der Unterdrückung, wenn man Frauen dazu zwingt, unter schwierigen Bedingungen zu arbeiten, z.B. in Minen oder im Straßenbau. Von vielen Frauen wird erwartet, dass sie sich in der Landwirtschaft quälen, andere werden bei militärischen Operationen im Feld einsetzt, wieder andere müssen harte Lasten tragen. Und zur Begründung wird gesagt, dass sie eben beweisen müssen, mit den Männern auf einer Stufe zu stehen. Doch so etwas ist nichts anderes als eine grausame Folter, bei der die weiblichen Qualitäten und die ganze Wesensart der Frau entweder verkannt oder ignoriert werden. Frauen zu Hause einzusperren und sie aus dem gesellschaftlichen Leben zu verbannen, widerspricht dem Verständnis des Islams. Gleichermaßen aber verbietet der Islam, Frauen ihre finanzielle Sicherheit zu nehmen, sie davon abzuhalten, in einer geschützten Atmosphäre Kinder großzuziehen, und sie auf den Arbeitsmarkt zu drängen, wo ihnen unangenehme Arbeiten aufgezwungen werden. Sofern es ihre körperliche und psychische Verfassung gestattet, können Frauen ebenso wie Männer die unterschiedlichsten Tätigkeiten verrichten. Doch sollten Frauen wie Männer darauf achten, dass ein fruchtbares Leben immer auf Arbeitsteilung basiert. Jeder der beiden Partner sollte dem anderen unterstützend zur Seite stehen, indem er Aufgaben übernimmt, die seiner Natur entsprechen.
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