Start Wissenswertes Häufige Fragen zu Islam und Muslime Wie beugen wir Sünden vor, und wie zeigen wir aufrichtige Reue?
Wie beugen wir Sünden vor, und wie zeigen wir aufrichtige Reue?
( 2 Votes )

Für unser spirituelles und emotionales Leben ist die Reue in mehrerlei Hinsicht unser wirksamster Schutz vor Sünden. Daher ist es außerordentlich wichtig, dass wir ihr die nötige Beachtung schenken.

Was können wir tun, wenn wir gesündigt haben?

Wenn wir eine Sünde begangen haben, stehen uns mehrere Möglichkeiten offen. Wie wir reagieren, hängt stark von  unserem moralischen und spirituellen Niveau ab. Möglicherweise knien wir vor Gott nieder und flehen Ihn an, uns zu vergeben. Vielleicht stellt uns diese Art der Reue aber auch nicht zufrieden; beispielsweise dann, wenn die Sünde in unserem Herzen ein wahres Feuer entfacht hat, das uns verzehrt. In jedem Fall dürfen wir hoffen, dass eine Reue, die von Herzen kommt, von Gott angenommen wird.

Reue hat sicherlich mit Bedauern und innerem Leiden zu tun. Man sollte sich von vornherein die Einstellung zu Eigen machen, dass jede Sünde von gefährlichen Schlangen und giftigen Insekten begleitet wird. Wer das nicht einsieht, macht sich nicht richtig bewusst, welche Auswirkungen unsere Sünden im Jenseits haben können. Deshalb sollten wir jederzeit wachsam sein, erst gar nicht zu sündigen. Wenn es aber dann doch passiert, müssen wir unsere Sünden aufrichtig bereuen.

Sünden dürfen nicht lange Bestand haben

Da jede Sünde neue Sünden nach sich zieht, muss sich jemand, der gesündigt hat, unverzüglich um Läuterung bemühen. Hinzu kommt, dass niemand weiß, wann er sterben wird. Wer sich der Existenz Gottes bewusst ist, kann nur dann Ruhe finden, wenn er sich von seinen Sünden gereinigt hat. Sich auch nur für kurze Zeit mit einer Sünde zu belasten, schadet dem spirituellen Wohlbefinden. Außerdem bedeutet es einen Verstoß gegen Gottes Willen. Sünden haben kein Anrecht darauf, von Bestand zu sein; und wenn sie nicht von der Reue ausradiert werden, verwandeln sie sich in Schlangen, die unablässig unser Herz bedrohen. Ein Herz, das einmal verunreinigt ist, wird immer anfälliger für Schmutz. Ein Teufelskreis droht zu entstehen, bis sich in so einem Herzen schließlich die Worte des Korans Das, was sie zu tun pflegten, hat auf ihre Herzen Schmutz gelegt (83:14) widerspiegeln.

Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein der Menschen für diese Gefahr zu schärfen und sie vor Sünden zu warnen. Wenn möglich, sollten wir die hässliche Natur der Sünde bloßstellen und unsere Mitmenschen dazu anhalten, nicht zu sündigen. Sensible und wachsame Menschen sind offenbar sogar in der Lage, den üblen Geruch, den Sünden verströmen, zu riechen.

Sünden sollten als verabscheuungswürdig eingestuft werden

Wenn wir unsere Sünden bereuen, ist einer der wichtigsten Punkte, dass wir jede einzelne von ihnen als widerwärtig und ekelerregend betrachten. Wenn es uns nur schwer gelingt, uns von Sünden fernzuhalten, kann der Gedanke, dass Sünden Schlangen und Skorpione sind, unsere Abneigung gegen sie stärken. Dann kommt es gar nicht erst dazu, dass wir sie mit Reue bekämpfen müssen. Wenn uns eine kostbare Vase aus Glas auf den Boden fällt und sie zerbricht, tut uns das Leid. Aber ganz ähnlich zerbricht und verdunkelt jede Sünde, die wir begehen, unser ‚Lebenslaterne‘. Deshalb sollten wir uns auch nach jeder Sünde schuldig fühlen - zumindest in dem Maße, wie wir das Zerbrechen der Vase bedauern. Sonst können wir weder unsere Sünden noch die Reue wirklich ernst nehmen.

Wie Sünden und Reue zusammenhängen

Die Intensität der Reue sollte der Schwere der begangenen Sünde entsprechen, denn jede Sünde ähnelt einem mit Pech gefüllten Brunnen, in den man zwar leicht hinein fällt, aus dem man aber kaum wieder herauskommt.

Eine Sünde erkennen

Wenn wir die Konsequenzen und Auswirkungen einer Sünde verharmlosen, begehen wir damit gleich eine weitere Sünde, die genauso schwer ist wie jene erste Sünde. Wenn jemand z.B. sagt, die Religion dramatisiere den Ehebruch oder die Verletzung der Besitztümer anderer Menschen über Gebühr, in Wirklichkeit würden wir doch von diesen Dingen profitieren, dann sündigt er damit erst recht. Der bedeutende Gelehrte Bediuzzaman Said Nursi ermahnte uns: „Rennt vor der Sünde davon, als sei sie eine Schlange oder ein giftiger Tausendfüßler!“ Wenn er hier von Schlange und Tausendfüßler spricht, und nicht von Löwe oder Tiger, überrascht das zunächst ein wenig. Aber vor Angriffen von Löwen oder Tigern kann man sich schützen; denn diese Tiere greifen beherzt von vorn an. Schlangen und Tausendfüßler hingegen attackieren völlig unverhofft und heimtückisch von allen Seiten.  Ähnlich heimtückisch überfallen uns beispielsweise die Sünden Intrigen und Verrat.

Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Wahre Gläubige sind Sünden gegenüber stets wachsam und stellen damit auch ihre Loyalität und Treue zu Gott, dem Allmächtigen, unter Beweis.

Vom Propheten Muhammad existiert ein Ausspruch, der uns die wahre Natur der Sünde beschreibt: Adhnaba Abdi Dhanban.1 Hier geht es um einen Diener Gottes, der gesündigt hat und dann bereut. Die drei arabischen Worte  verfügen über eine sehr tiefe Bedeutung: Dhanb (Sünde) und Dhanab (Schwanz) stammen aus der gleichen Wortwurzel. Insofern meint ein Gläubiger, der sagt: „Mein Herr, ich habe eine Sünde begangen“, gleichzeitig: „Mein Herr, ich habe meinen Schwanz wieder angelegt. In meinem gegenwärtigen Zustand betrachte mich als einen Fuchs mit einem pelzigen Schwanz, als einen Skorpion, der andere mit seinem Schwanz sticht, oder als eine Schlange, deren Schwanz einen langen Teil ihres Körpers bildet. All das bin ich.“ Mit anderen Worten: Wer seine Sünden bekennt, bekennt in Wirklichkeit, die Menschen, die Gott ihm anvertraut hat, geringgeschätzt und verschmäht zu haben, und infolgedessen auf den Rang eines Tieres hinab gefallen zu sein. Jemand, der sündigt und es erst gar nicht bemerkt,  findet sich hingegen im folgenden Vers charakterisiert: Sie sind wie das Vieh; nein, sie irren noch eher (vom Weg) ab. (7:179) Sein Rang liegt noch unter dem der Tiere.

 (Aus dem Buch „Fragen an den Islam“ 2, 2005, S. 45)

 

 



1 Muslim, Tawba, 29-30

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg
 
 

INID-Autoren

Gastautoren








 

Rechtlicher Hinweis:

Das INID-Institut übernimmt keinerlei Verantwortung für die Inhalte einzelner Artikel. Jeder Artikel spiegelt allein die persönliche Meinung seines Autors bzw. seiner Autorin wider. 

 

Unterstützen Sie uns: