Start Wissenswertes Häufige Fragen zu Islam und Muslime Werden wir Menschen wirklich zur Prüfung in diese Welt geschickt, und wenn ja, warum?
Werden wir Menschen wirklich zur Prüfung in diese Welt geschickt, und wenn ja, warum?
( 2 Votes )

Natürlich weiß Gott, wie wir in dieser Welt handeln und leben. Er schickt uns auf die Erde, damit wir uns von Ihm prüfen lassen, auf dass wir durch die Verantwortung, die Er uns auferlegt, unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterentwickeln. Die Menschen werden nicht alle mit denselben Stärken und Talenten erschaffen. Sie gleichen in gewisser Hinsicht Mineralien, die erst dann als rein und erlesen gelten, wenn sie aufgearbeitet wurden.

Jemand, der künstlerisches Talent besitzt, möchte dieses Talent zum Ausdruck bringen. Seine Kunstwerke machen ihn in der Öffentlichkeit bekannt. Ähnlich ist die Majestät, Erhabenheit und Kunstfertigkeit der Schöpfung Gottes eine Präsentation und Reflexion Seiner heiligen Namen und Attribute. Um uns Menschen Seine Kunst (Allmacht, Stärke, Weisheit, Schönheit und Barmherzigkeit) nahe zu bringen, erschuf Er das Universum und stellte in ihm Aspekte Seiner geheimnisvollen verborgenen Schätze zur Schau.

Um uns zu demonstrieren, wie sich Seine Namen, Attribute und Künste manifestieren, gestaltete Er das Universum Schritt für Schritt. In unterschiedlichem Umfang und in wechselnder Qualität gewährt Er uns zahllose Gelegenheiten, Ihn besser kennen zu lernen. Darüber hinaus gewährt Er uns unendlich viele Möglichkeiten, ein fundiertes Wissen über Ihn zu erlangen. Er ist der Absolute Schöpfer, der alles aus einer Substanz erschafft und jedem einzelnen Element tausenderlei Nutzen zuspricht - wenn Er nur will. Aus diesem Grunde kann sich zum Beispiel Karbon entweder als Kohle oder als Diamant manifestieren. Und sowohl Kohlen als auch Diamanten können in den unterschiedlichsten Arbeitsprozessen noch weiter verfeinert und aufgearbeitet werden.

Alles, was erschaffen wurde, was sich im Universum entfaltet hat und dem Menschen zur Verfügung gestellt wurde, prüft und läutert den Menschen und bereitet ihn in gleicher Manier auf die ewige Glückseligkeit im Paradies vor, wie Rohmaterialien verfeinert, gereinigt und zu Silber, Gold oder Diamanten verarbeitet werden. In einem Hadith sagte der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm: Menschen sind wie Mineralien. Jemand, der in der Dschahiliya (der vorislamischen heidnischen Zeit der Unwissenheit in Arabien) gut ist, ist auch im Islam gut.1 Umar zum Beispiel genoss bereits in der vorislamischen Zeit hohes Ansehen, Ruhm und Ehre. Nachdem er aber Muslim geworden war, stieg sein Ansehen noch. Zudem erwarb er sich eine gelassene Würde, Gutherzigkeit und die Erhabenheit des Iman (Glaubens). Zuvor war er eher grob, leicht erregbar und überheblich gewesen, ein Mensch, der dachte, er könnte über alles verfügen. Doch dann entwickelte er sich, was sein Auftreten gegenüber den Gläubigen betraf, zu einem der bescheidensten und demütigsten Männer. Dem Islam hatte er es zu verdanken, dass er seine Qualitäten und Eigenschaften vervollkommnen konnte. Wenn wir also einen aufrichtigen, dynamischen, tatkräftigen, mutigen und temperamentvollen Menschen sehen, wünschen wir uns, er möge Muslim werden; denn jemand, der schon vor seiner Bekehrung zum Islam ein guter, wunderbarer und angesehener Mensch ist, wird es im Islam erst recht sein.

Der Islam befasst sich mit dem wertvollsten und erlesensten aller Minerale - dem Menschen. Er nimmt den Menschen, modelliert und läutert ihn und lässt ihn reifen. Dadurch vervollkommnet er ihn und macht ihn so rein wie Gold im verfeinerten Zustand. Der Reinheitsgehalt der Gefährten des Propheten betrug 24 Karat. In späteren Zeiten jedoch entfernten sich die Muslime von diesem Standard der Reinheit und erreichten nicht mehr 24, sondern lediglich 15 Karat. Im 20. Jahrhundert sind einige Menschen sogar auf einen Reinheitsgehalt von einem Karat oder weniger hinabgesunken. Als traurige Konsequenz dieser Tatsache wurde dieses Jahrhundert Zeuge von Problemen, die von einer Unzahl von zügellosen und kriminellen Menschen aufgeworfen wurden.

Wir werden in dieser Welt auf die Probe gestellt, damit wir geläutert und rein werden und uns Tugendhaftigkeit und Vollkommenheit erwerben. Zwar weiß Gott, wie gut oder weniger gut wir unsere Prüfung bestehen. Er testet uns aber dennoch; nicht deshalb, weil Er irgendetwas nicht wüsste, was Er durch uns erfahren wollte. Der wahre Grund ist vielmehr, dass Er jeden Menschen vor sich selbst und vor anderen auf die Probe stellen will. Wenn wir uns unermüdlich bemühen, uns selbst zu vervollkommnen, herauszufinden und zu überprüfen, wer wir sind und was wir besitzen (ob wir wertlos und nutzlos wie Eisen oder bedeutsam wie Gold sind), dann handeln wir nur wie Instrumente, die bestätigen, was Gott seit jeher weiß. Geprüft wird, wofür wir uns abmühen und welche Anstrengungen wir unternehmen, wenn wir etwas erreichen möchten. Einst werden wir vor Gott treten und Ihm auf folgende Weise Rechenschaft über uns ablegen: ...jedoch ihre Hände werden zu Uns sprechen, und ihre Füße werden all das bezeugen, was sie erworben haben. (36:65) Hände und Füße repräsentieren symbolisch alle Werkzeuge, die uns zum Handeln befähigen, d.h., alle Glieder unseres Körpers, einschließlich unserer Fähigkeiten und Talente. In anderen Koranversen werden Augen, Ohren und die Haut als Zeugen erwähnt, die gegen uns aussagen werden, falls wir sie missbrauchen.

 Alles, was wir besitzen, wird einer Prüfung vor uns selbst unterzogen - all unsere Körperteile, all unsere Fähigkeiten zu denken und zu fühlen und alle Gelegenheiten, die zu nutzen uns gewährt wurden. Gott, der Erhabene, prüft uns nicht, weil Er wissen will, wie wir diesen Test bestehen, sondern weil Er uns einen Spiegel vorhalten will, auf dass wir uns bewusst werden, dass wir uns gleichzeitig selbst testen und getestet werden. Gott weiß mehr als jeder andere, nämlich alles.

(Aus dem Buch "Fragen an den Islam 1, 2009, S.17")

 



1 Bukhari, Iman, 10, Anbiya, 8-14; Muslim, Fada’il as-Sahaba, 168; Manaqib; 25; Ibn Hanbal, Musnad, 3,101

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg
 
 

INID-Autoren

Gastautoren








 

Rechtlicher Hinweis:

Das INID-Institut übernimmt keinerlei Verantwortung für die Inhalte einzelner Artikel. Jeder Artikel spiegelt allein die persönliche Meinung seines Autors bzw. seiner Autorin wider. 

 

Unterstützen Sie uns: