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Warum der Koran ein Wunder ist
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Der Koran wurde in einer Zeit der Geschichte offenbart, in der Beredsamkeit und Redekunst einen sehr hohen Stellenwert genossen. Und geradeso wie Gott, der Allmächtige, Moses und Jesus das Wirken von Wundern ermöglicht hatte, die die Menschen ihrer Zeit besonders beeindruckten, beschenkte Er den Propheten Muhammad mit dem Koran, jenem Wunder an Beredsamkeit und Redegewandtheit. Als der Koran offenbart wurde, forderte er zuerst die Literaten der Arabischen Halbinsel heraus, später dann die Menschen aller Zeitalter und Bildungs- und Erkenntnisniveaus bis zum Jüngsten Tag:

  • Wenn ihr glaubt, dass ein Mensch den Koran verfasst hat, so bestimmt jemanden aus eurem Volk, der so ungebildet ist wie Muhammad, und lasst ihn eine ähnliche Schrift hervorbringen.
  • Wenn diese Person dazu nicht in der Lage ist, so lasst es einen beliebigen Literaten versuchen.
  • Wenn auch dieser überfordert ist, so versammelt eure berühmtesten Schriftsteller und Gelehrten, und lasst sie eine ähnliche Schrift wie den Koran hervorbringen.
  • Wenn sie ebenfalls scheitern, lasst sie versuchen, ein Werk hervorzubringen, das nur von ähnlicher Beredsamkeit in Wort und Struktur ist. Der Inhalt dieses Werkes braucht noch nicht einmal der Wahrheit zu entsprechen, und auch die außerweltlichen und ganz und gar unnachahmlichen Aspekte der Bedeutung des Korans können außer Acht gelassen werden.
  • Wenn die Länge des Buchs das Problem ist, genügen auch 10 Kapitel, 1 Kapitel oder auch nur ein sehr kurzes Kapitel.

Als die hochmütigsten Menschen der damaligen Zeit den Koran nicht mit Worten anzufechten vermochten, griffen sie zum Schwert, was für sie natürlich viel gefährlicher war. Diese Leute waren durchaus intelligent. Und hätten sie den Koran mit Worten herabzuwürdigen vermocht, dann hätten sie mit Sicherheit nicht den Verlust von Besitz oder gar Leben riskiert. Doch konnten sie die Herausforderung nicht parieren und waren deshalb gezwungen, den riskanteren Weg zu wählen. Dass der Koran in vielerlei Hinsicht als ein Wunder betrachtet werden muss, machen folgende Punkte deutlich:

  • Arrangement und Komposition des Korans zeichnen sich durch einzigartige Beredsamkeit und stilistische Reinheit aus. Geradeso wie die Zeiger einer Uhr einander ergänzen und in perfekter Harmonie aufeinander abgestimmt sind, ergänzen auch sämtliche Worte und Sätze des Korans einander und bilden ein Gesamtkunstwerk.
  • Jeder einzelne Koranvers ist nicht nur Bestandteil einer größeren Einheit. Er ist auch ein in sich abgeschlossenes Ganzes mit einer unabhängigen Existenz. Jeder einzelne Vers ist mit allen anderen Versen verbunden. Said Nursi hat es einmal folgendermaßen ausgedrückt: „Die Verse des Korans gleichen den Sternen am Himmel, zwischen denen ebenfalls sichtbare wie unsichtbare Verbindungslinien existieren. Es scheint fast so, als besäße jeder Stern ein Auge, das zu allen anderen Sternen schaut, und ein Gesicht, das sich allen anderen Sternen zuwendet. So spinnt jeder Vers immaterielle Fäden, die sich alle zu einem wunderbaren Flechtwerk zusammenfinden. Der Stil des Korans ist so unglaublich umfassend, dass eine einzelne Sure den ganzen Ozean des Korans enthalten kann, der seinerseits das ganze Universum in sich birgt. Ein einzelner Vers ist wiederum in der Lage, die Schatzkammer jener ganzen Sure zu umspannen. Es scheint fast so, als sei fast jeder Vers eine kleine Sure und fast jede Sure ein kleiner Koran.”
  • An vielen Stellen, z.B. in der Sure Al-Ikhlās, die aus sechs Teilsätzen besteht, hat jeder Satz zwei Bedeutungen: eine ‚a priori-Bedeutung’, d.h. eine Ursache oder einen Beweis, und eine ‚a posteriori-Bedeutung’, d.h. eine Wirkung oder ein Resultat. Die Sure Al-Ikhlās (Sure 112) präsentiert uns einen Schatz an Wissen um die Einheit Gottes. Hier begegnen uns sechs Teilsätze mit verschiedenen Aspekten, die sich auf unterschiedliche Art und Weise kombinieren lassen und insgesamt 36 Lesarten der Sure Al-Ikhlās ergeben. (Siehe auch Sure 112, Fußnote 4.)
  • Der einzigartige, originäre Stil des Korans ist ebenso neuartig wie überzeugend. Der Koran hat sich seine ursprüngliche Originalität und Frische stets bewahrt. Er kopiert kein anderes Buch und kann auch selbst nicht kopiert werden.
  • Selbst wenn man den Koran Tausende Male rezitiert hat, langweilt er nicht. Je öfter man in ihm liest, desto mehr Vergnügen spendet das Lesen. Schon ein Kind kann ihn ohne weiteres auswendig lernen. Und Todkranke, die es kaum ertragen können, wenn in ihrer Anwesenheit gesprochen wird, finden Erleichterung, Trost und Freude, wenn sie der Rezitation des Korans zuhören. Seinen Worten gelingt es, ihre Ohren und ihren Verstand noch zu erreichen. Wortwahl und Satzstruktur des Korans sind elegant und sauber. Er präsentiert seine Inhalte mit unvergleichlicher Ausdrucksstärke.
  • Der Koran nährt das Herz, stärkt und erfrischt den Verstand, heilt die Krankheiten der Seele, und ist dem Geist Wasser und Licht zugleich. Wer der Koranrezitation lauscht oder ihn selbst rezitiert, dessen Verstand ermüdet nicht und dessen Horizont wird erweitert.
  • In den Worten des Korans manifestieren sich Erhabenheit, Macht, Würde und Glanz. Seine Fähigkeit, Dinge zu erklären, ist unübertroffen. In allen Kategorien von Ausdruck und Ansprache sind seine Ausführungen absolut klar und eindeutig - in Abschreckung und Drohung ebenso wie im Lobpreis, in Kritik und Verbot, in Beweis und Veranschaulichung oder auch in Argumentation und Überzeugungskraft.
  • Jeder Vers besitzt, das unterstreicht ein Hadith (Ibn Hibban, 1:146; Al-Munawi, 3:54), innere wie äußere Bedeutungen und Grenzen, einen zentralen Punkt sowie darüber hinaus mehrere Äste und Zweige. Jeder Redewendung, jedem Wort und jedem Buchstaben, ja sogar jedem Satzzeichen wohnen gleich mehrere Aspekte inne. Und jedem Menschen, der einen Koranvers hört, eröffnen sich ganz persönliche Horizonte, abhängig von seiner Verständnis- und Aufnahmefähigkeit. Der Koran präsentiert den Rechtsgelehrten Quellen, an denen sie sich orientieren können. Diejenigen, die nach Gotteserkenntnis dürsten, erleuchtet er, und jenen, die Gott zu erreichen suchen, zeigt er ebenso neue Wege auf wie denen, die sich bereits vervollkommnet haben. Der Koran schult den Verstand aller Wahrheitssuchenden und bietet ihnen Orientierung. Er beschäftigt sich mit unserem Menschsein und unseren Pflichten, mit dem Universum und seinem Schöpfer, mit den Himmeln und der Erde, mit dieser Welt und der kommenden, mit Vergangenheit, Zukunft und Ewigkeit. Er vermittelt uns alles Wissenswerte in Bezug auf unsere Erschaffung und unser Leben. Er sagt uns, wie wir am besten essen und schlafen, und klärt uns gleichzeitig auch über die Vorherbestimmung Gottes und unseren freien Willen auf. Er berichtet uns von der Schöpfung des Universums in sechs Tagen und verrät uns, welche Funktionen die Winde ausüben. Er ist ein Buch des Gebets, der Weisheit, der Anbetung, des Rechts und des Dienstes an Gott; er enthält Gebote, Einladungen, Bittgebete und Denkübungen. Der Koran ist ein heiliges Buch, das für all unsere spirituellen Bedürfnisse Rechtleitung bietet - eine von Gott gestiftete Schrift, die wie eine ehrwürdige Bibliothek zahlreiche Werke enthält, aus denen unzählige bedeutende, allseits verehrte und wahrheitsliebende Menschen, unzählige geläuterte und kritische Gelehrte ihre eigenen Wege abgeleitet haben. Und dieses Buch erhellt jeden ihrer Wege und trägt den Bedürfnissen aller seiner Verehrer Rechnung. Im Koran finden sich Verweise auf alles Wissen, das der Mensch benötigt. Nicht umsonst kursiert unter anspruchsvollen Gelehrten der Ausspruch „Nimm dir vom Koran, was immer du brauchst“.
  • Der Koran ist ein ewiger Diskurs, der alle Menschen gleichermaßen unabhängig von Zeit, Ort und Intelligenz anspricht. Als solcher zeichnet er sich durch eine Schönheit aus, die niemals verblühen wird. Da er den Anspruch hat, alle Menschen über Gott, den Islam und den Glauben zu unterrichten, muss er die Fähigkeit besitzen, jede Gruppe und jede Verstandesebene auf genau die Art und Weise anzusprechen, die ihr angemessen ist. Die Menschen sind sehr unterschiedlich, doch der Koran wird ihnen allen gerecht.
  • Der Koran präsentiert dem menschlichen Verstand die umfassendsten universellen Prinzipien und Gesetze in der Form einzelner Geschehnisse und Begebenheiten. Dies geschieht so kurz und prägnant, als würde man uns den Ozean in einem Krug servieren.
  • Wer den Koran aufmerksam studiert, wird sehr schnell merken, dass seine Suren und Verse, und insbesondere die Eingangspassagen der Suren sowie Anfang und Ende der einzelnen Verse, absolut wohlgeordnet und strukturiert sind. Und das, obwohl er ganz unterschiedliche Formen der Ansprache wählt und alle erhabenen Stile, alle Beispiele für Wohlverhalten und Tugend, alle naturwissenschaftlichen Prinzipien, alle Register der Gotteserkenntnis, alle nützlichen Regeln für das Leben von Individuum und Gemeinschaft sowie alle Gesetze erhält, die ein Licht auf Ziel und Zweck der Schöpfung werfen.
  • Der Koran berichtet uns von Geschehnissen und Völkern in Vergangenheit und Zukunft. Er enthält viele offene und versteckte Prophezeiungen, spricht über die verborgenen Wahrheiten Gottes und über die Realitäten der Welt des Jenseits. Seine Aussagen über die Vergangenheit lassen sich nicht widerlegen, und alles, was er über die Zukunft sagt, ist entweder bereits eingetroffen oder wird noch eintreffen, wenn die Zeit reif ist. Der Gesandte Gottes selbst hätte die Historie der Propheten und der Völker gar nicht kennen können. Dazu haben ihn erst das Vertrauen in die Offenbarung Gottes und die eigene Mission als Gesandter Gottes befähigt. Die Tatsache, dass der Koran alle Menschen aller Zeitalter herausfordern kann, ist einer der unanfechtbaren Beweise für die Prophetenschaft Muhammads und den Ursprung des Korans bei Gott.

 

(Aus dem Buch "Der Koran und seine Übersetzung mit Kommentar und Anmerkungen, 2009)

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