Start Wissenswertes Koran Der Stil des Korans
Der Stil des Korans
( 5 Votes )

 

Der Koran ist ein Buch, das uns durch den Propheten Muhammad, Friede und Segen seien mit ihm, als das Wort Gottes übermittelt wurde. Es bekräftigt seine Prophetenschaft und ist sein größtes Wunder. Es fordert nicht nur die Araber seiner Zeit, sondern alle Menschen bis zum Jüngsten Tag heraus, auch nur ein einziges Kapitel hervorzubringen, das einer Koransure ähneln würde. Der Koran hebt sich, wie wir bereits gesehen haben, dadurch von allen anderen Heiligen Schriften ab, dass er vollständig und ohne eine einzige Änderung bewahrt und den späteren Generationen überliefert wurde. Die Abschriften und Kopien des Korans, die in allen Teilen der Welt kursieren und seit seiner Offenbarung kursiert sind, weisen keinerlei Abweichungen vom Original auf.

 

Da sich der Koran mit allen Fragen von theologischem Wert befasst und in Bezug auf die unerschöpfliche Vielfalt seiner Inhalte alle schriftlichen Aufzeichnungen aus der Zeit vor und nach seiner Offenbarung in den Schatten stellt, sind Ansatz, Präsentation und Strategie des Korans einzigartig. Anstatt seine Themen systematisch zu behandeln, wie es Theologen und apostolische Autoren tun, gibt der Koran uns deutlich zu verstehen, dass er seine eigene vielgestaltige Methode hat - den tasrīf. Er stellt seine Vielseitigkeit unter Beweis, indem er zwischen ganz unterschiedlichen Themen hin und her wechselt und dann zum ursprünglichen Thema zurückkehrt. Er wiederholt seine Themen wohl überlegt und ganz bewusst in einzigartiger rhythmischer und rezitativer Form, um uns Verstehen, Lernen und Erinnern zu erleichtern:

 

Schau, wie Wir die Zeichen (von Gottes Existenz und Einheit und andere Glaubenswahrheiten) vielgestaltig darlegen, damit sie nachdenken und bis zum Wesentlichen vordringen mögen, um die Wahrheit zu begreifen. (6:65)

 

Der Koran enthüllt uns die Ordnung des Universums. Weil sich uns nahezu alle Typen oder Varianten existierender Dinge nebeneinander oder miteinander vermischt darstellen, präsentiert uns der Koran die unterschiedlichen Dinge, indem er sie durch einen speziellen Rhythmus miteinander verknüpft. So weist er uns nebenbei auch auf die Zeichen der Einheit Gottes hin. Dabei nimmt er in Kauf, dass dieser Stil einige seiner Gegner dazu veranlassen wird, an seiner göttlichen Urheberschaft zu zweifeln. (6:106) Er verdeutlicht auch, warum er dies tut: um den Verstand des Menschen zu ermuntern, über die Einheit in der Vielfalt und die Harmonie in der Verschiedenheit nachzudenken. Jede einzelne seiner Suren behandelt auf unterschiedliche Art und Weise eine Vielzahl von Themen. Diese Tatsache zeichnet ganz entscheidend für seine einzigartige Schönheit und unvergleichliche Beredsamkeit verantwortlich. Ein aufmerksamer Rezitator oder ein intelligenter Zuhörer kann sich an solchen rhythmischen Umbrüchen so sehr erfreuen, dass der Koran selbst erklärt:

 

Gott schickt die besten Worte in Abschnitten herab als ein Buch, das in sich selbst stimmig ist und dessen Aussagen sich gegenseitig bestätigen, erläutern und aufeinander beziehen. Die Haut derjenigen, die von Ehrfurcht für ihren Herrn erfüllt sind, bebt (wenn sie) dies (hören und verstehen). Dann finden ihre Haut und ihr Herz Ruhe im Gedenken an Gott (mit Hilfe des Korans). Das ist Gottes Rechtleitung, durch die Er leitet, wen immer Er will. Und wen immer Gott irregehen lässt, für den gibt es keinen, der ihn leiten könnte. (39:23)

Die Verse und Suren des Korans sind nicht chronologisch geordnet. Bestimmten Versen, die zusammen offenbart wurden, werden andere vorausgeschickt oder nachgestellt. Einige Suren und Verse sind lang, andere kurz. Diese Anordnung ist ein Aspekt seiner Einzigartigkeit und gleichzeitig einer der wichtigsten Gründe dafür, dass viele Orientalisten und ihre Nachahmer in der muslimischen Welt es wagen, ihn zu kritisieren, und ihm vorwerfen, seinen Versen fehle jeder Zusammenhalt.

 

Der Koran stellt die Ordnung des Universums zur Schau. Und weil dessen Grundbestandteile in einen übergeordneten Zusammenhang zwischen dem Ganzen und seinen Teilen eingebettet ist, da sie also in einem holistisch-partiellen (oder universell-individuellen) Verhältnis zueinander stehen, trifft dies auch auf den Koran zu. Anders ausgedrückt: Ein Körper ist ein Ganzes, das aus einzelnen Teilen besteht (z.B. Kopf, Armen, Beinen, Organen). Obwohl diese Teile selbst eigene Einheiten bilden, kann keines von ihnen für sich allein das übergeordnete Ganze repräsentieren; denn dieses wird durch keins der Teile umfassend repräsentiert. Die Menschheit und alle anderen Spezies hingegen sind holistisch oder universell; denn jede Spezies hat ihre Mitglieder, von denen jedes einzelne alle Merkmale der Spezies in sich vereint und dadurch die Spezies repräsentiert. Jeder Mensch ist in seiner Struktur ein exaktes Muster der Menschheit.

 

Auch jeder einzelne Koranvers bildet eine eigene Einheit und verfügt über eine unabhängige Existenz. Er könnte an einer beliebigen Stelle des Korans platziert werden, ohne seinen Aufbau und seine Bedeutung zu verletzen. Darüber hinaus stehen die Koranverse in einem ganz bestimmten Verhältnis zueinander. Said Nursi schreibt hierzu:

 

„Die Verse des Korans gleichen den Sternen am Himmel, zwischen denen ebenfalls sichtbare wie unsichtbare Verbindungslinien existieren. Es scheint fast so, als besäße jeder Stern ein Auge, das zu allen anderen Sternen schaut, und ein Gesicht, das sich allen anderen Sternen zuwendet. So spinnt jeder Vers immaterielle Fäden, die sich alle zu einem wunderbaren Flechtwerk zusammenfinden. Der Stil des Korans ist so unglaublich umfassend, dass eine einzelne Sure den ganzen Ozean des Korans enthalten kann, der seinerseits das ganze Universum in sich birgt. Ein einzelner Vers ist wiederum in der Lage, die Schatzkammer jener ganzen Sure zu umspannen. Es scheint so, als sei fast jeder Vers eine kleine Sure und fast jede Sure ein kleiner Koran. Darüber hinaus sind sich spirituelle Menschen einig, dass der gesamte Koran in der Sure Al-Fātiha und diese wiederum in der Basmala - Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. - enthalten ist.” (Said Nursi, The Words, “The 25th Word”, 394)

 

Auf den ersten Blick mögen die Verse des Korans vielleicht widersprüchlich erscheinen. In Wirklichkeit sind sie das aber nicht; denn der Koran ähnelt einem Organismus, dessen einzelne Teile alle miteinander in Verbindung stehen. Als Resultat der Anordnung seiner Elemente im Ganzen und der holistisch-partiellen Beziehung zwischen den Versen ist ein korrektes Verständnis eines Verses in manchen Fällen von einem umfassenden Verständnis des ganzen Korans abhängig. Hierbei handelt es sich um ein weiteres einzigartiges Merkmal, um einen weiteren Aspekt seiner Vollkommenheit und um einen weiteren Beweis dafür, dass Gott sein Urheber ist.

 

Dieses Charakteristikum ist für die Interpretation des Korans von größter Wichtigkeit, denn der Koran ist das Gegenstück zu Universum und Menschheit in Schriftform. Muslimische Gelehrte gehen davon aus, dass der Koran, das Universum und die Menschheit drei ‚Kopien‘ eines einzigen Buches sind. Der Koran ist demnach das ‚offenbarte und niedergeschriebene Universum und die offenbarte und niedergeschriebene Menschheit‘. Universum und Menschheit wiederum sind jeweils ein ‚erschaffener Koran‘. Der Koran lehrt uns, wie die Menschheit und das Universum zu bewerten sind. Vermeintliche Widersprüche unter den Versen lassen also auf Missverständnisse beim Leser schließen. Jemand, dessen Wesen sich mit dem Koran vereinigt, wird in ihm keinen Widerspruch entdecken, da es einfach keinen Widerspruch gibt. Wenn die Menschen den Koran jedoch im Lichte ihrer eigenen Weltsichten sehen (die ja voller Widersprüche stecken), werden sie natürlich auch Widersprüche finden. Aus diesem Grunde sollten sich diejenigen, die sich näher mit dem Koran befassen, zunächst einmal selbst von allen Widersprüchen befreien.

 

Das Arabische, die Sprache der Offenbarung, ist der äußere Körper des Korans. Die Religion besteht nicht allein aus Philosophie oder Theologie, sondern stellt auch einen Weg dar, alle Dimensionen unserer Existenz miteinander zu verschmelzen. Daher ist die arabische Sprache ein grundlegendes, unverzichtbares Element des Korans. Sie wurde nicht nur deshalb als Offenbarungssprache ausgewählt, weil die Araber jener Zeit sie verstehen konnten, sondern auch, weil eine universelle Religion eine universelle Sprache benötigt. Der Koran betrachtet die Welt als eine Wiege der Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit. Er zielt darauf ab, alle Ethnien, Hautfarben und Glaubensvorstellungen als Brüder und Schwestern und als Diener Gottes zu vereinen. Seine Sprache ist ein bedeutender Faktor, der den Menschen dabei hilft, über religiöse Realitäten nachzudenken und alle Dimensionen ihres Seins den Vorgaben Gottes entsprechend zusammenzubringen. In den Pflichtgebeten dürfen keine Übersetzungen rezitiert werden, denn keine Übersetzung ist mit dem arabischen Original identisch. Ohne das Arabische kann ein Mensch zwar ein guter Muslim sein; aber vom Koran wird er nur wenig verstehen.

 

Der Koran ist im Islam die Quelle aller Erkenntnis, unabhängig davon, ob es nun um Religion, Spiritualität, Wissenschaft, Soziales, Moral, Recht oder Philosophie geht.

 

 

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg
 
 

INID-Autoren

Gastautoren









 

Rechtlicher Hinweis:

Das INID-Institut übernimmt keinerlei Verantwortung für die Inhalte einzelner Artikel. Jeder Artikel spiegelt allein die persönliche Meinung seines Autors bzw. seiner Autorin wider. 

 

Unterstützen Sie uns: