Der Koran
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Der Koran ist das heilige Buch des Islams. Das arabische Wort al-qur’ān bedeutet so viel wie Vorzutragendes, Lesung, oft Gelesenes oder Rezitation. Der Koran gilt als das authentische Wort Gottes, das dem Propheten Muhammad in arabischer Sprache Wort für Wort erstmalig in der “Nacht der Bestimmung” im Monat Ramadan, dem neunten Monat des Mondjahres, durch den Engel Gabriel offenbart wurde. Danach erhielt der Prophet über einen Zeitraum von 23 Jahren immer wieder zu unterschiedlichen Anlässen unterschiedlich umfangreiche Offenbarungen Gottes. Alljährlich rief sich der Prophet im Monat Ramadan den Wortlaut und die Reihenfolge der offenbarten Verse erneut ins Gedächtnis, indem er sie vor dem Engel Gabriel noch einmal rezitierte. In dem Jahr, in dem er starb, rezitierte Muhammad den gesamten Koran sogar zweimal. Für die Originalität und die Bewahrung des Korans spielte dieser Vorgang eine sehr wichtige Rolle. Denn der Koran erhebt ausdrücklich den Anspruch, das unverfälschte Wort Gottes zu sein. Er enthält einzig und allein den genauen Wortlaut der Offenbarungen Gottes und ist nicht mit Aussprüchen oder Grundsätzen des Propheten vermischt. Bei seinen Versen handelt es sich unzweifelhaft um die Worte Gottes, die bis zum heutigen Tag erhalten geblieben sind und von keinem Menschen je verändert wurden.

Zu Lebzeiten Muhammads pflegten seine Begleiter die verkündeten Offenbarungen auswendig zu lernen und sorgfältig im Gedächtnis zu behalten oder auch schriftlich festzuhalten. Ausnahmslos alle Gefährten des Propheten kannten zumindest Teile des Korans, da diese während der gemeinsamen Gebete ständig rezitiert wurden. Auch vollständige Gesamtabschriften des Koranstextes sind noch zu Lebzeiten des Propheten Muhammad entstanden. Zahlreiche Gefährten des Propheten fertigten diese an und trugen sie dem Propheten vor, damit er sich von der Richtigkeit der Niederschriften überzeugen konnte. Zur Zeit des ersten Kalifen Abu Bakr wurden die einzelnen Suren gesammelt, geordnet und in die abschließende Form eines Buches (mushaf) gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Suren u.a. auf Papyrus-Blätter niedergeschrieben worden und hatten sich an unterschiedlichen Orten befunden. Der dritte Kalif Uthman ließ den Koran sieben Mal vervielfältigen und in die Zentren des Islams schicken. Zwei der Originalausgaben befinden sich noch heute in Istanbul und in Taschkent.

Der Koran setzt sich aus 114 Suren (Kapiteln, Abschnitten) zusammen, die in Verse, âyât (sing.: âya; Verse, Zeichen), unterteilt sind. Er behandelt im Wesentlichen die Themen Einheit (Gottes), Prophetentum, Wiederauferstehung, Gerechtigkeit und Gebete. Der Koran ist nicht auf einmal, sondern ab 610 n. Chr. innerhalb von 23 Jahren offenbart worden. Dies geschah oft situationsadäquat, d.h., den jeweiligen Notwendigkeiten und Offenbarungsanlässen (asbâbu n-nuzûl) entsprechend. Die ersten 86 Suren, ca. zwei Drittel des Korans, wurden in Mekka (über 13 Jahre), die übrigen in Medina (über 10 Jahre) offenbart. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die heutige Form des Korans nicht die chronologische Reihenfolge der Offenbarung widerspiegelt, sondern so vom Erzengel Gabriel festgelegt wurde. (Eine Aufstellung der Koransuren nach Offenbarungszeitpunkt befindet sich im Anhang dieses Buches.) Schwerpunktthemen der mekkanischen Suren sind vor allem Glaubensfragen und ethische Werte. Die in Medina offenbarten Suren beschäftigen sich hingegen insbesondere mit dem Gebet, den zwischenmenschlichen Beziehungen, gesellschaftlichen Handlungen, dem Umgang der Menschen untereinander und mit Krieg und Frieden (diese Themen werden unter dem Begriff Gerechtigkeit zusammengefasst).

Im Allgemeinen werden in den Offenbarungen die psycho-sozialen Bedingungen der individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungen berücksichtigt. Die Gemeinschaft der Muslime unterlag einem Entwicklungsprozess, dem die Offenbarungen Rechnung trugen. So wurde z.B. das Fasten im Monat Ramadan im Jahr 624 (also zwei Jahre nach der Hidschra) zur Pflicht. Die Regeln des Erbrechts wurden 625 (drei Jahre nach der Hidschra) und die Pilgerfahrt 631 (neun Jahre nach der Hidschra) eingeführt. Für die schrittweise Erziehung der Individuen und der Gesellschaft ist das khamr-Verbot (Alkoholverbot) beispielhaft: Der Genuss von khamr (Alkohol) war zur damaligen Zeit sehr weit verbreitet. Darum beschäftigen sich vier Koranverse mit diesem Thema: Zunächst wird gesagt: Und von den Früchten der Dattelpalmen und den Beeren macht ihr euch Rauschtrank und gute Speise. Wahrlich, hierin ist ein Zeichen für Leute, die nachdenken. (16:67) In Vers 2:219 heißt es dann: Sie befragen dich über Berauschendes und Glücksspiel. Sprich: “In beiden liegt ein großes Übel.” Diese Verurteilung des Alkohols wird in Vers 4:43 noch einmal wiederholt: O ihr, die ihr glaubt, nahet nicht dem Gebet, wenn ihr betrunken seid, bis ihr versteht, was ihr sprecht. Schließlich wird der Genuss von Alkohol in Sure 5:90 endgültig verboten: O ihr, die ihr glaubt! Berauschendes, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind ein Gräuel, das Werk Satans.

Der Koran ist im Islam die Quelle aller Erkenntnis, unabhängig davon, ob es nun um Religion, Spiritualität, Wissenschaft, Soziales, Moral, Recht oder Philosophie geht. Der Koran hat vier Hauptziele: Er soll auf die Existenz und Einheit Gottes hinweisen, Beweise für die Prophetenschaft und das Jenseits liefern, für die Anbetung Gottes werben und die Grundlagen des Rechts bekannt machen. Vor allem diesen Zielen verleihen seine Verse Nachdruck. Folglich beinhalten sie Glaubensprinzipien, Grundsätze, die das Leben der Menschen regeln, detaillierte Informationen über die Wiederauferstehung und das Leben nach dem Tode, Anweisungen in Bezug auf die Anbetung, moralische Maßstäbe, direkte und indirekte Informationen zu wissenschaftlichen Fakten, Erklärungen zu Aufstieg und Fall von Zivilisationen, historische Überblicke über Völker, die früher einmal gelebt haben, usw..

(Aus dem Buch "Der Islam: Glaube, Leben Geschichte", M. Mertek, INID)

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