Eine Nacht
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Es geschah in einer Nacht vor 14 Jahrhunderten,

Dem aufgehenden Vollmond über dem Wüstensand gleich kam eine Waise zur Welt!

Aber wie bedauerlich, die Augen wurden des Jungen nicht gewahr,

Obwohl sie schon seit einigen Tausend Jahren auf ihn warteten!

 

Doch wie hätten sie ihn auch sehen können?

Die Wüste, in der er erschien, war sehr abgelegen,

Und die kultivierte Welt durchlebte damals

Krisen, schlimmer als heute.

 

Die Menschen waren blutdürstiger als Hyänen;

Einen Menschen ohne Zähne, fraßen die eigenen Brüder!

Anarchie machte sich in allen Ecken der Welt breit.

Ansteckend war die Uneinigkeit, die den Orient zerfallen ließ.

 

Die Waise wuchs heran, erreichte das vierzigste Lebensjahr.

Die Mächtigen mit Blut an den Händen wurden auf den Boden zurück geholt!

In einem Atemzug rettete jener Untadelige die Menschheit,

Mit einem Streich streckte er Kaiser und Könige nieder!

 

Die Schwachen, deren einziges Recht es war, unterdrückt zu werden,

                                                                                       erwachten zu neuem Leben;

Die Tyrannen, die nie daran dachten, bezwungen zu werden, gingen zugrunde!

Er war eine Barmherzigkeit für alle Welten und

umspannte mit dem klaren Gesetz und

Seinen Flügeln die Länder all derer, die Gerechtigkeit wollten.

Was die Welt heute besitzt, resultiert aus ihm.

 

In seiner Schuld steht die Gemeinschaft, in seiner Schuld steht der Mensch.

In der Schuld dieses Unschuldigen steht die ganze Menschheit.

O Herr! Lass uns am Jüngsten Tag mit diesem Schuldeingeständnis auferstehen.


Mehmet Akif Ersoy, türkischer Nationaldichter
Übersetzt von M. Mertek

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