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Abis Kekilbayev1
Wir leben auf einem Planeten, der nicht so groß ist, wie wir vielleicht denken. Dem Einfluss anderer Menschen können wir nicht entfliehen. In der Vergangenheit haben dies nur wenige weise Menschen erkannt. Heute wissen es alle. Zu Beginn des neuen Jahrtausends realisieren wohl die meisten, dass die in unserer Welt herrschenden Beziehungen äußerst zerbrechlich sind. Und noch vor Ende des zweiten Jahres, in den ersten Momenten des Frühlings des neuen Jahrtausends, zu einem Zeitpunkt, als wir alle optimistisch in die Zukunft schauten, sahen wir uns einer brutalen Terrorattacke ausgesetzt.
„Ich kümmere mich nur um mich selbst. Ob der Rest der Welt zusammenbricht oder nicht, ist mir völlig egal.“ Diese Haltung spiegelt sich in dem Geschehenen wider. Derartige Überheblichkeit führt zu Gedanken wie: „Eine Welt, in der es mir nicht gut geht, muss zerstört werden“, oder: „Wenn ich nicht geliebt werde, kann auch kein anderer geliebt werden.“ Der Wohlstand, den wir heute genießen, hat uns nicht in die Lage versetzt, anderer Menschen Leid zu beenden; denn wir haben gar nicht mitbekommen, was diese in der Vergangenheit erleiden mussten. Viele dieser gepeinigten Menschen haben sich über die aktuelle Tragödie gefreut. Sie haben die Tränen und den Schock der Reichen gesehen und sich gefühlt, als hätten sie selbst Rache genommen. Erst jetzt realisieren wir, dass die Welt klein und jeder Mensch von Gewalt betroffen ist.
Der Terrorismus bedroht alle Zivilisationen. Da es noch immer keine allgemein gültige Definition für den Begriff ‚Terrorismus‘ gibt, wird die Reaktion der Staaten, wie sie auch ausfallen mag, die Bedrohung nicht geringer werden lassen. Im Gegenteil, sie wird sie eher noch verstärken. Die Zukunft der Welt hängt davon ab, ob wir eine angemessene Antwort auf diese schreckliche Tragödie finden und ob wir dieses Thema umfassend diskutieren. Die Tatsache, dass die Politik klerikal und die Religion politisch geworden ist, macht gewisse globale Ereignisse der modernen Welt noch ‚globaler‘.
Die Tragödie vom 11. September beweist, dass der Terrorismus in der Lage ist, regionale und kontinentale Grenzen zu überwinden. Die ganze Welt muss also näher zusammenrücken, um der Herausforderung entgegenzutreten. Gerade deshalb sollten wir uns mit sozialen Problemen befassen, die Armut bekämpfen, ökonomische Gräben überbrücken und starke Länder davon abhalten, schwache Länder zu unterdrücken. Angesichts der großen Gegensätze in unserer Welt gibt es keine andere Möglichkeit, den Terrorismus, der für die grausamsten Aggressionen verantwortlich ist, zu stoppen. Um von den Reichtümern dieser Welt profitieren zu können, müssen wir sowohl das menschliche Bewusstsein als auch Wissenschaft und Technologie in die richtigen Bahnen lenken, sodass sie dem Guten, und nicht dem Bösen dienen und damit sie einen Beitrag zum Fortschritt der ganzen Menschheit statt zu deren Zerstörung leisten. Die Globalisierung kann sich nur dann von allen Vorwürfen freisprechen, wenn sie uns hilft, die Probleme unserer Welt zu lösen.
(Aus der Zeitschrift Fontäne, Ausgabe 18, 2002)
1 Staatssekretär Kasachstans
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