|
Die Kreuzzüge wurden zur Zeit der Seldschukenherrschaft unternommen. Sie trugen zur Festigung des “Feindbildes Islam” in Europa bei. Unter Kreuzzügen verstand man ursprünglich Kriegszüge, die die Kirche im Mittelalter gegen Ungläubige (Preußen, Esten) und Ketzer (Albigenser) unternahm, um den katholischen Glauben zu stärken. Spätere Kreuzzüge bezeichnen jedoch die kriegerischen Unternehmungen der abendländischen Christenheit zur Rückeroberung des Heiligen Landes in den Jahren 1095-1289 und die Pilgerfahrt im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die “Heiden”. In einem Zeitraum von 200 Jahren fanden aus diesem Anlass insgesamt acht Kreuzzüge statt. Bei allen negativen Aspekten, die die Kreuzzüge zweifellos hatten, wurde doch erst durch sie griechisch-orientalisches Geistesgut und manches Wissen über den Islam erstmals auch im Abendland bekannt.
Kämpfe gegen die Araber in Spanien und Sizilien
Gregor VII. plante 1074 einen Kriegszug zur Befreiung des Heiligen Grabes. Auf der Synode von Clermont rief Papst Urban II. am 27.11.1095 die Christenheit zum Kampf gegen den Islam auf. Hilfe-rufe des byzantinischen Kaisers, der seine Macht von den türkischen Seldschuken gefährdet sah, veranlassten den Papst, einzugreifen und Stellung gegen den Islam zu beziehen. Viele Menschen setzten sich, ohne große Vorbereitungen zu treffen, in Richtung Heiliges Land in Bewegung und kamen schon unterwegs um.
Der europäische Lehnsadel, insbesondere die französische Ritterschaft und die süditalienischen Normannen, unternahmen 1096 den 1. organisierten Kreuzzug und konnten 1099 Jerusalem erobern. Ein islamischer Gegenstoß führte 1144 zur Eroberung von Edessa. Daraufhin begann der 2. Kreuzzug (1147-1149; unter Ludwig VII. von Frankreich und dem römisch-deutschen Kaiser Konrad III.); er endete in einer militärischen Katastrophe und im politischen Zerwürfnis der beteiligten Mächte. 1187 wurde Jerusalem von Saladin zurückerobert, was 1189 den 3. Kreuzzug (Friedrich Barbarossa) auslöste. Der 4. Kreuzzug (1202-1204), bei dem die Venezianer die Hauptrolle spielten, richtete sich entgegen dem Willen von Papst Innozenz III. gegen Konstantinopel. 1212 fand der Kinderkreuzzug statt, der Tausende von Kindern aus Frankreich und vom Niederrhein ins Verderben führte. Ein gegen die islamische Hauptmacht in Ägypten gerichteter Angriff endete 1221 in einem Debakel. Friedrich II. lobte zwar die Idee des Kreuzzuges, verzögerte ihn aber und wurde deshalb von Papst Gregor IX. verbannt. Trotzdem brach er 1228 zum 5. Kreuzzug auf und er-reichte in Verhandlungen mit dem ägyptischen Sultan die Freigabe christlicher Pilgerstätten; 1229 krönte er sich zum König von Jerusalem, das 1244 aber wieder aufgegeben wurde. Ludwig IX. von Frankreich unternahm 1248-1254 den 6. Kreuzzug, scheiterte aber bei diesem Unternehmen ebenso wie später der 7. Kreuzzug gegen Tunis (1270). 1291 ging in Palästina mit Akka die letzte Bastion der Kreuzritter verloren.
|