Kharidschiten
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Die Kharidschiten waren eine fanatische und extremistische Beduinengruppe, die den vierten Kalifen Ali ermordete und danach in der islamischen Gemeinschaft für eine lange Zeit Unruhe stiftete.

Die Kharidschiten bezeichneten sich als Muslime, ihr Tun verstieß jedoch vollkommen gegen die Grundlagen des Islam. Sie nahmen den Islam als eine Stammesreligion wahr. So führten sie die vorislamischen beduinischen Traditionen weiter und ergänzten sie nur punktuell durch islamische Prinzipien. Im Grunde waren die Kharidschiten eine politische, reaktionäre und gewaltorientierte Bewegung, deren beduinisches Weltbild mit islamischen Zügen versehen war. Die Kharidschiten, die behaupteten, den Islam ohne Wenn und Aber zu praktizieren und sich strikt an den Koran zu halten, brachten kaltblütig Männer, Frauen und sogar Kinder um, die sich zu den amtierenden Kalifen bekannten. Auch viele islamische Gelehrte, die ihren Standpunkt nicht teilten, fielen dem Terror der Kharidschiten zum Opfer. Ihr Handeln beweist, dass sie den Koran sehr oberflächlich auslegten und verstanden. So schnitten sie z.B. dem Prophetengefährten Abdullah ibn Habbab ibn Arat und seiner Frau die Kehle durch, weil er nur die vier rechtschaffenen Kalifen für gut hielt.

Historischer Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung der Mehrheit der Muslime mit den Kharidschiten, die dem Clan der Tamim angehörten, war deren Verhalten im Siffin-Krieg zwischen Ali (der 656 zum Kalifen gewählt worden war) und Mu'awiya (dem Gouverneur von Damaskus), der seinerseits Ansprüche auf das Kalifenamt geltend machte. Als Ali weiteres Blutvergießen verhindern wollte, ermächtigten Mu'awiya und Ali zwei Schiedsrichter (jeder jeweils einen), die die rechtmäßige Nachfolge des Propheten klären und den Krieg zwischen Ali und Muawiya beenden sollten.

Dann sprachen sie ihm aus genau diesem Grunde den Glauben ab - weil er sich auf das Schiedsgericht eingelassen hatte. Ihre Begründung lautete: Ali habe seinen Unglauben unter Beweis gestellt, indem er Gottes Urteil in einem Menschenurteil suchte; Gott allein gebühre die Entscheidung und "Allah allein gehört der Gehorsam".

Als sich der von Muawiya eingesetzte Schiedsrichter für Mu'awiya als rechtmäßigen Kalifen aussprach, sahen sich die Kharidschiten in ihrer Ablehnung des Richterspruchs bestätigt. Die Kharidschiten trennten sich von Ali und ließen sich in Nahrawan (Irak) nieder. Dort predigten sie ihre Ansichten, Muawiya und Ali seien vom Glauben abgekommen, die Treue zum Kalifen sei ein Personenkult und "Gott allein steht das Urteil zu!". Ali solle nun seine Schuld anerkennen und bereuen. Ansonsten würden sie gegen Ali kämpfen.

Schließlich schworen die Kharidschiten, Ali und Mu'awiya, die sie als Quelle allen Übels betrachteten, umzubringen. Zu diesem Zweck schickten sie Attentäter aus. Während Mu'awiya mit einer Verletzung davon kam, gelang es ihnen, Ali auf dem Weg zum Morgengebet in die Moschee zu erstechen (661).

Mit dem Tod Alis endete die Ära der vier "rechtgeleiteten Kalifen". Die folgenden 100 Jahre waren von der Gewalt der Kharidschiten geprägt, die sich gegen alle richtete, die nicht ihrer Meinung waren. Ungläubige ließen sie weitgehend in Ruhe, aber gegen andere Muslime gingen sie mit großer Härte vor.

Auch heute noch existieren eine Reihe von militanten Gruppierungen, deren Äußerungen und Handlungen Ähnlichkeiten mit jenen der Kharidschiten aufweisen.

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