Prophetenschaft
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Grundlagen der Prophetenschaft, die allen Propheten gemeinsam sind, sind nach Meinung islamischer Theologen die folgenden:

  • Ehrlichkeit (sidq)
  • Vertrauenswürdigkeit (amâna)
  • Übermittlung von Gottes Anweisungen (tablîgh)
  • Intelligenz (fatâna) und
  • Sündlosigkeit (isma).

Die Ehrlichkeit ist der Dreh- und Angelpunkt der Prophetenschaft. Die Propheten haben stets die Wahrheit gesagt. Niemand hat sie je eine direkte oder indirekte Lüge verkünden gehört.

Der Koran preist die Propheten:

Und erwähne in diesem Buch Abraham! Er war ein Wahrhaftiger, ein Prophet. (19:41)

Und erwähne in diesem Buch Ismail! Er blieb wahrlich seinem Versprechen treu und war ein Gesandter, ein Prophet. (19:54)

Und erwähne in diesem Buch Idris! Er war ein Wahrhaftiger, ein Prophet. Und Wir erhoben ihn zu hohem Rang. (19:56-57)

Ferner erfahren wir im Koran, dass sich ein Mitgefangener an den Propheten Joseph wandte und ihn pries:

Joseph, o du Wahrhaftiger! (12:46)

Die Propheten mussten die Charaktereigenschaft Ehrlichkeit besitzen, denn Gott wünscht, dass alle Menschen ehrlich sind, und rühmt die Ehrlichen:

O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah, und seid mit den Wahrhaftigen! (9:119)

Die zweite Grundlage der Prophetenschaft ist die Vertrauenswürdigkeit (arab.: amâna). Dieses Wort ist aus der gleichen Wurzel abgeleitet wie das Wort mu’min (vertrauenswürdiger Gläubiger). Ein Gläubiger zu sein, setzt voraus, eine vertrauenswürdige Person zu sein. Die Propheten standen, was den Glauben betrifft, an erster Stelle und somit auf dem Gipfel der Vertrauenswürdigkeit. Um dieses Prinzip hervorzuheben, erzählt uns Gott die Geschichten von vier Propheten, wobei Er immer die gleichen Worte benutzt:

Wollt ihr nicht gottesfürchtig sein? In Wahrheit, ich bin für euch ein vertrauenswürdiger Gesandter. (26:105-107)

Das Volk Noahs hatte Noah, den Gesandten, der Lüge bezichtigt. Also rief Noah seine Leute mit diesen Worten zur Vernunft. In den anderen Geschichten beziehen sich die Worte Gottes auf die Propheten Hud, Salih und Lot. Darüber hinaus unterstreichen viele weitere Verse die Vertrauenswürdigkeit der Propheten.

Erwähnenswert ist außerdem, dass Mu’min (der Getreue, der Wachende, der Beschützer) auch einer der Namen Gottes ist. (59:23) Gott ist der Mu’min in höchster Vollendung, da Er die Quelle von Sicherheit und Verlässlichkeit ist. In Ihn legen wir unser Vertrauen und unsere Zuversicht, Ihm vertrauen wir. Gott zeichnete die Propheten durch Vertrauenswürdigkeit aus. Unsere Verbindung zu Ihm kommt durch die Propheten zu Stande und gründet sich vollkommen auf Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit.

Die Vertrauenswürdigkeit ist eine äußerst wichtige Eigenschaft der Prophetenschaft, sie ist aber auch ein unabdingbares Wesensmerkmal des Erzengels Gabriel. Der Koran beschreibt Gabriel als jemanden, dem gehorcht wird, der ferner vertrauenswürdig ist. (81:21) Wir bekamen den Koran durch zwei vertrauenswürdige Gesandte übermittelt: durch Gabriel und durch den Propheten Muhammad. Gabriel gab ihn an Muhammad weiter, der ihn anschließend an uns weiterreichte.

Die dritte Grundlage der Prophetenschaft ist die Übermittlung islamischer Wahrheiten oder, mit anderen Worten, die Aufgabe der Propheten, das Gute zu gebieten und das Unrecht zu verbieten.

Alle Propheten kamen mit derselben Botschaft Gottes, deren Fundament die Unterwerfung unter Gott ist. Die Übermittlung dieser Botschaft war der Hauptgrund für die Entsendung der Propheten. In der Entsendung der Propheten, die schon an sich eine Verkörperung des Mitgefühls und der Großzügigkeit Gottes darstellt, manifestierte Gott Sein Mitgefühl und Seine Großzügigkeit.

Für die Einschätzung der Person, der die Botschaft übermittelt werden soll, spielt die Intelligenz eine wichtige Rolle. Diesbezüglich lesen wir in einer Propheten-Überlieferung:

Wir, die Gemeinschaft der Propheten, haben die Anweisung, uns an der Aufnahmefähigkeit der Menschen zu orientieren.

Die Intelligenz (fatâna) ist die vierte Grundlage der Prophetenschaft. Die Propheten zeichneten sich durch Klugheit, Intelligenz, gesundes Urteilsvermögen und eine Weisheit aus, die die Fähigkeiten gewöhnlicher Menschen weit überstieg. Der Intellekt der Propheten überragte den Verstand normaler Menschen. Er umfasste und koordinierte alle menschlichen Fähigkeiten, die des Herzens ebenso wie die der Seele oder des Geistes.

Die Sündlosigkeit ist die fünfte Grundlage der Prophetenschaft. Das arabische Wort, das im Deutschen mit Sündlosigkeit übersetzt wird, lautet isma, was auch Schutz, Bewahrung oder Verteidigung bedeuten kann. (Isma heißt ferner Verhinderung, Züchtigkeit, Sündlosigkeit oder Unfehlbarkeit.) Das Wort wird im Koran in verschiedenen Ableitungen verwandt.

Im Koran gibt es einige Verse, die auf den ersten Blick bestimmte Propheten für einige ihrer Handlungen zu tadeln scheinen oder den Eindruck vermitteln, dass ein Prophet eine Sünde im gewöhnlichen Sinne des Wortes begehen kann.

Eine kleine Minderheit von muslimischen Gelehrten hat geltend gemacht, die Propheten hätten Sünden unbedeutender Art begangen; diese Sünden nannten sie dhalla - Irrtum oder Lapsus. Dafür führen sie unter anderem Beispiele aus dem Leben von Adam, Noah, Abraham und Joseph an. Zwar attestieren die meisten Muslime den Propheten geringfügige Fehler; dabei handelt es sich aber nicht um Sünden im Sinne von Ungehorsam gegenüber den Geboten Gottes. Die Propheten warteten normalerweise auf eine Offenbarung, wenn sie in einer Frage zu entscheiden hatten. In seltenen Fällen geschah es jedoch, dass sie ihre eigene Verstandeskraft einsetzten, um ein Urteil zu fällen. Vielleicht haben sie sich zuweilen in ihren Urteilen oder Entscheidungen geirrt, aber Irrtümer dieser Art, die von Gott unverzüglich korrigiert wurden, dürfen nicht als Sünden betrachtet werden.

Eine weitere unentbehrliche Eigenschaft der Propheten ist die Aufrichtigkeit. Aufrichtig zu sein, heißt, die reine Absicht zu haben, alles allein um der Sache Gottes willen zu tun. Der Darstellung des Korans zufolge sind wir alle aufgefordert, Gott aufrichtig anzubeten:

Und sie wurden nur aufgefordert Allah anzubeten, Ihn als Rechtgläubige in Treue und Lauterkeit verehrend, und das Gebet zu verrichten sowie die Armensteuer zu entrichten... (98:5)

Gott nennt die Aufrichtigkeit eine Eigenschaft der Propheten. Von Moses sagt Er:

Und erwähne im Buch Moses! Er war fürwahr aufrichtig, und er war ein Gesandter, ein Prophet. (19:51)

Gott hat alle Propheten auserwählt, sie geläutert und in höchstem Maß aufrichtig gemacht.

Außerdem zeichneten sich die Propheten nach einmütiger Übereinstimmung der muslimischen Theologen dadurch aus, dass die Propheten frei von allen körperlichen und mentalen Mängeln waren. Ihre Persönlichkeit und ihr Verhalten waren außergewöhnlich anziehend, ihr äußeres Erscheinungsbild war würdevoll und anmutig. Sie hatten nichts an sich, was die Menschen hätte stören können. Sie besaßen einen vollkommenen Körper und waren mit Fug und Recht als schön zu bezeichnen.

Die Prophetenschaft ist dem Islam zufolge der höchste Rang, die höchste Ehre, die es gibt. Sie beweist die Überlegenheit des inneren Wesens dieser Menschen im Vergleich zu allen anderen Menschen. Ein Prophet besitzt nicht nur das, was wir einen außergewöhnlichen Intellekt nennen, der in die Realität von Dingen und Geschehnissen eindringt, wie es z.B. bei Genies der Fall ist. Er ist auch ein Wesen, das auf die Inspiration Gottes für die Lösungen der vor ihm liegenden Probleme wartet. Ein Prophet ist ein Bindeglied zwischen den Dingen und Lebewesen hier und im Jenseits. Einerseits ist er ein ganz normaler Mensch, andererseits unterhält er jedoch ein besonderes Verhältnis zu Gott. Seine Gedanken und sein Handeln sind von Gott inspiriert.

Die Propheten haben der Menschheit aber nicht nur die Botschaft Gottes, sondern auch ein gewisses Maß an Wissen über Gott und Seine Namen und Attribute überbracht. Ihre erste Aufgabe bestand darin, die Realität dieses Lebens, seinen wahren Zweck und seine Bedeutung zu lehren. Da Gott jenseits jeder menschlichen Wahrnehmung und jedes menschlichen Verständnisses steht, fiel es den Propheten zu, solange sie ihre Aufgabe wahrnahmen, die gehorsamsten, sorgfältigsten, bewusstesten und selbstbeherrschtesten Menschen zu sein. Wenn die Propheten keine klaren Aussagen über den Schöpfer, den Allmächtigen, Allwissenden, der die ganze Schöpfung vom kleinsten Atom bis hin zum größten Sternennebel beherrscht, aufrechterhält und liebevoll umsorgt, getroffen hätten, wäre es den Menschen niemals möglich gewesen, richtig und angemessen über Gott zu denken oder zu sprechen.

Vom ersten Menschen, dem Propheten Adam, bis zum letzten Propheten, Muhammad, wurden einer Überlieferung zufolge über 124.000 Propheten herabgesandt. Nur 25 von ihnen sind im Koran namentlich erwähnt (in Klammern die im Deutschen gebräuchlichen Namen):

  1. Adem (Adam)
  2. Nuh (Noah)
  3. Hud
  4. Salih
  5. Ibrahim (Abraham)
  6. Ishak (Isaak)
  7. Ismail (Ismael)
  8. Lut (Lot)
  9. Yaqub (Jakob)
  10. Yusuf (Josef)
  11. Schuaib
  12. Musa (Moses)
  13. Harun (Aaron)
  14. Davud (David)
  15. Suleiman (Salomon)
  16. Ayyub (Hiob)
  17. Ilyas (Elias)
  18. Yunus (Jonas)
  19. Usair (Esra)
  20. Idris
  21. Elyasa (Elisa)
  22. Zakariyya (Zacharias)
  23. Yahya (Johannes)
  24. Isa (Jesus)
  25. Muhammad

(Friede sei mit ihnen allen!)

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