Glaube an Gott
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Er ist Gott, ein Einziger, Gott, der Absolute (Ewige, Unabhängige, von dem alles abhängt). Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden, und Ihm vergleichbar ist keiner. (112:1-4)

Der türkische Dichter Ibrahim Hakki (18. Jhdt.) schrieb: “Im gesamten Universum der Schöpfung gibt es nichts, was Gott gleich, ähnlich oder entgegengesetzt wäre. Gott ist über alle Form erhaben, ja sogar gegen sie immun und frei von ihr.”

Allah als der Eine und Einzige Gott ist die zentrale Grundlage des islamischen Glaubens. Daher ist an dieser Stelle eine Charakterisierung Gottes angebracht.

Allah ist der Eine, der Einzige, der allein und unvergleichlich ist. Ihm werden 14 Eigenschaften zuerkannt, die sich in zwei Gruppen unterteilen lassen: 6 Eigenschaften, die sich auf Seine Person beziehen und 8 bezeugte Eigenschaften.

Die Eigenschaften Seiner Person:

  1. Existenz (wudschûd)
  2. Ewige Anfangslosigkeit (qidam)
  3. Endlosigkeit (baqâ)
  4. Einzigkeit (wahdanîya)
  5. Unterschiedlichkeit, keine Ähnlichkeit zu Geschöpfen (mukhâlafa lil-hawâdith)
  6. Allumfassende Unabhängigkeit (qiyâm bi nafsihi)

Die bezeugten Eigenschaften Gottes:

  1. Lebendigsein (hayât)
  2. Wissen (ilm)
  3. Hören (sami’)
  4. Sehen (basar)
  5. Wollen (irâda)
  6. Können (qudra)
  7. Sprechen (kalâm)
  8. Schöpfen (takwîn):

Diese Eigenschaften und die Namen, die dem Einzigen Gott Seinem Wesen und Handeln nach zugeordnet werden, sind für das islamische Gottesverständnis charakteristisch. Man spricht von den “99 Schönen Namen Gottes”, die in Nominalform im Koran und in der Sunna vorkommen.

Im Folgenden sollen einige besonders wichtige Namen herausgegriffen und kurz erläutert werden:

Gott,

ar-Rahmân: Der Erbarmer (1:1); nur Gott ist ar-Rahmân, Ursprung aller Barmherzigkeit für die Schöpfung insgesamt.

ar-Rahîm: Der Barmherzige (1:1); Gott erweist seinen Dienern besondere Barmherzigkeit.

al-Wahhâb: Der Freigebige (3:8); Er schenkt uns fortwährend die unterschiedlichsten Dinge, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

ar-Razzâq: Der Gewährer des Lebensunterhalts (51:58); Er bietet dem Menschen eine Grundlage, auf deren Basis ein glückliches Leben möglich ist.

al-Fattâh: Der Öffner der Türen zum Erfolg; der Richter (34:26); Er erleichtert dem Menschen alle Schwierigkeiten und hilft ihm in allen Bereichen.

al-Hakîm: Der Weise (2:32); all das, was Er schafft oder tut, kündet von Weisheit und Vollkommenheit.

al-Dschalâl: Der Majestätische (55:27); Er ist der Besitzer von Hoheit, Gunst, Ehre und Großherzigkeit. Er ist Derjenige, der die Gaben erschafft und unter den Menschen verteilt.

al-Karîm: Der Großherzige (82:6); Seine Großherzigkeit ist unendlich. Dem Menschen schenkt er Seine Gnade, ohne etwas dafür zu verlangen.

al-Qayyûm: Der Beständige; der Ewige (2:255); Er hält das ganze Universum von seinen Ursprüngen bis zum Ende der Zeit in Gang.

al-Wahîd: Der Eine, der hinsichtlich Seines Wesens, Seiner Attribute und Seiner Urteile keine Partner neben sich hat. (2:163)

In einem Hadith heißt es: Gott, der Erhabene, hat 99 schöne Namen. Wer mit diesen Seiner gedenkt, geht ins Paradies ein. (Bukhari, Muslim)

Gottes Beziehungen zu Seinen Geschöpfen sind vor allem von zwei Haupteigenschaften bestimmt: von der Barmherzigkeit, zu der Er sich als der Allmächtige Gott laut Koran selbst verpflichtet hat: Verschrieben hat Er Sich der Barmherzigkeit (6:12), und von der aus ihr resultierenden Gerechtigkeit.

Die gesamte Schöpfung - also der Mensch und die ihn umgebende Welt - gilt als Zeichen Gottes. Im Koran heißt es: Nichts ist Ihm gleich. (42:11) Er ist nicht Körper und nicht Geist, weder räumlich noch zeitlich gebunden, weder sichtbar noch in Abbildungen erfassbar. Aber Er ist überall präsent. Er ist uns näher, als unsere Halsschlagader. (50:16)

Gott ist im Herzen des Gläubigen zu finden. (hadith qudsî) Die künstlerische Vollkommenheit, die im ganzen Universum zum Ausdruck kommt, kündet von den 99 Schönen Namen Gottes. Jeder einzelne Name, der sich in den mannigfaltigen Denkmälern des kunstvollen Schöpferwerks manifestiert, beleuchtet den Weg der Menschen und führt sie dahin, die Attribute dieses Existierenden, dieses Einen Schöpfers zu erkennen. Die Namen stimulieren und erwecken unsere Herzen durch Zeichen und Botschaften des Verborgenen, aber Gegenwärtigen Schöpfers, die unseren Sinnen zugeführt werden.

In folgenden Bereichen kommt man Gott näher und nimmt Sein Wirken und Seinen Willen wahr:

  1. In den Gesetzen Gottes - in der schöpferischen Ordnung der Natur
  2. im Koran und in anderen Offenbarungen
  3. durch den Propheten Muhammad
  4. durch das menschliche Gewissen

Der islamischen Theologie zufolge, wirkt in allem, was in der Natur passiert, die Inspiration Gottes. Tiere und Pflanzen, Atome und Sonnensysteme - alles richtet sich nach dem Willen Gottes. Auf diese Weise hat Gott im ganzen Kosmos ein ökologisches Gleichgewicht geschaffen, in das alle Geschöpfe integriert sind.

Das freiwillige Ausgerichtetsein auf Gott manifestiert sich im Glauben und Handeln. In diesem Sinne umfasst der Islam keineswegs nur rituelle Handlungen in Bezug auf Gott, sondern das gesamte menschliche Leben. Der Begriff Islam bezeichnet also die unmittelbare Beziehung des Menschen zum Einzigen Gott.

Diese Überzeugung bildet die Grundlage für eine positive und respektvolle Haltung des Islam gegenüber den so genannten “Schriftbesitzern”, den Juden und Christen, deren Propheten Abraham, Moses oder Jesus ursprünglich alle Verkünder eines Monotheismus waren. Der Islam, demzufolge der Mensch mit der naturgegebenen Anlage, auf Gott ausgerichtet zu sein, geboren wird, lehnt eine Erbsünde des Menschen ab. Die islamische Mensch-Gott-Beziehung ist bestimmt von Reue und Vergebung sowie von Hoffnung und Vertrauen auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes.

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