|

Die Aussicht auf Fasten bis zum Sonnenuntergang und vermehrtes Beten im Monat Ramadan beflügelt offenbar die Aktienkurse in der islamischen Welt; und steigende Aktienkurse sind ja bekanntermaßen Ausdruck von Optimismus. Börsendaten aus 14 muslimisch geprägten Ländern fördern Bemerkenswertes zutage: Die Aktienrendite während des Fastenmonats liegt im Schnitt bei 38 Prozent, im Rest des Jahres dagegen bei nur 4,3 Prozent. Die mit der Auswertung der Daten befassten Forscher hatten eigentlich eher das Gegenteil erwartet, weil das Fasten doch vor allem in den heißen Sommern des Nahen Ostens mitunter sehr anstrengend sein kann und sich daher belastend auf das Gemüt auswirke. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der psychologische Faktor entscheidend ist: Die gemeinsame Ramadan-Erfahrung der Muslime in aller Welt steigert demnach das Solidaritätsgefühl und die Zufriedenheit mit dem Leben. Sie gibt Anlass zu einer optimistischeren Weltsicht. Diese wiederum wirkt sich dann auf die Investitionsentscheidungen aus.
In die Untersuchung flossen Investment-Daten von 1989 bis 2007 aus den Staaten Türkei, Malaysia, Indonesien, Oman, Bahrain, Katar und Kuwait, Saudi Arabien, Pakistan, Jordanien, Ägypten, Marokko, Tunesien und Vereinigte Arabische Emirate mit ein. Berücksichtigt wurden Effekte wie die Markt-Liquidität, die Dauer des täglichen Fastens, aber auch bekannte Finanzmarkt-Anomalien im Kalender. Schlüssig erklärt werden konnte der Rendite-Anstieg allein mit einer psychologischen Veränderung bei den Anlegern. Wer sich mit dem Gedanken trägt, in der islamischen Welt zu investieren, kann aus diesen Erkenntnissen ableiten, dass man Aktienverkäufe dort auf die Zeit unmittelbar nach dem Ramadan verschieben und geplante Käufe vorher tätigen sollte.
|