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Sind moralische Werturteile Geschmacksache? |
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Ein Forscherteam aus den USA hat herausgefunden, dass unser Geschmackssinn beeinflusst, wie wir das Verhalten anderer Menschen beurteilen. Welches Aroma man gerade auf der Zunge hat, ist offenbar ganz entscheidend: Bitterer Geschmack im Mund führt zu strengeren moralischen Urteilen als süßer oder neutraler Geschmack. Und wenn ein bitteres Getränk als abstoßend wahrgenommen wird, dann geht diese Wahrnehmung mit einem Gefühl moralischen Ekels einher. Demnach besteht definitiv ein Zusammenhang zwischen Sinneseindrücken und moralischen Werturteilen. Abstrakte Konzepte wie Moral sind eng mit körperlich-sensorischen Erfahrungen verknüpft.
Im Rahmen einer Studie wurden knapp 60 Studenten in drei Gruppen aufgeteilt. Dann wurden sie dazu aufgefordert, kurze Berichte über unterschiedliche moralische Grenzüberschreitungen zu beurteilen; zum Beispiel einen Bericht darüber, wie ein Mann seinen toten Hund aß. Ihre Urteile sollten sie auf einer Skala von ‚überhaupt nicht moralisch verwerflich‘ bis ‚extrem moralisch verwerflich‘ darstellen. Der einzige Unterschied zwischen den drei Gruppen bestand darin, dass die Probanden während der Prozedur verschiedene Geschmacksrichtungen auf der Zunge hatten: Die Teilnehmer aus der ersten Gruppe erhielten ein sehr süßes Getränk, die aus der zweiten ein bitteres und die aus der dritten ein neutrales, nämlich Wasser.
Die Auswertung zeigte, dass die Studenten mit dem bitteren Getränk deutlich härter geurteilt hatten als die mit dem süßen oder neutralen Getränk. Außerdem ließ sich die Härte ihrer Urteile zumindest teilweise mit dem empfundenen physischen Ekel erklären. Entsprechend lautet die Schlussfolgerung der Forscher, dass körperlicher Ekel auch zu moralischem Ekel führt. Ganz ähnlich verhält es sich, wie schon seit längerem bekannt ist, übrigens auch mit Geruchswahrnehmungen. Ekelerregender Toilettengeruch etwa führt ebenfalls zu strengeren moralischen Urteilen. Welche Lehre lässt sich daraus ziehen: Richter sollten vor der Urteilsfindung möglichst sehr bittere oder sehr süße Nahrungsmittel meiden. Und: Möglicherweise sind politische Einstellungen nicht zuletzt davon abhängig, wie man sich ernährt.
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