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Das Vergehen der Zeit ist den Gefühllosen einerlei.
Was versteht schon der Augenlose von Auf- und Untergang der Sonne?
Blinde Menschen hingegen suchen das Licht selbst dann noch,
wenn bereits ein Jahr vergangen ist.
Die Zeit eine verschlungene Schleife,
die Zeit ein gordischer Knoten.
Die Tage der Vergangenheit eine Erinnerung in Tagebüchern
oder auf vergilbten Bildern an der Wand;
zusammengepfercht in ein paar Zeilen,
eine wehmütige Melodie, vorgetragen mit matter Stimme.
Das fallende Laub im Herbst,
eine schleifende Fahne auf dem Boden.
Die Zeit ist lebendig, in jeder Hinsicht verführerisch,
ein schwarzes Loch, eine Falle für Frauenhelden,
eine angenehme Freude, bis man sich in ihr verfängt;
das vermeintliche Fürstentum ein elendes Sklavendasein.
Wer das begreift, darf stolz sein,
die anderen werden es bereuen.
Wege in die Ewigkeit führen geradewegs durch sie hindurch,
sie birgt die Knospe des Bewusstseins um die Ewigkeit;
ihre Arme aus Licht umschlingen uns,
sie ist ein Prisma aus Mysterien, eingeschlossen in einer Laterne.
Sie ist ein Mysterium, das sagt: „Ich bin Er“,
ein Khidr1für Menschen in Not.
M. Fethullah Gülen
(Aus der Zeitschrift Fontäne, Ausgabe 48, 2010)
1 Al-Khidr oder Al-Khadr war ein Wegbegleiter des Propheten Moses, der ein Spezialwissen besaß, zu dem Moses keinen Zugang hatte. Die Geschichte von Moses und Al-Khadr wird in der Koransure Al-Kahf erzählt.
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