Start Autoren Musa Bagrac Die Minarette im Zeichen der Deutschen Einheit
Die Minarette im Zeichen der Deutschen Einheit
( 10 Votes )

 

Die Eindrücke von der Eröffnung der größten Moschee in Hamm sind mir auch heute noch präsent. Auf dem Weg zur Moschee wurde man unweigerlich mit Plakaten konfrontiert, die ein Minarett-Verbot forderten. Natürlich, die Landtagswahlen in NRW standen bevor, und die Radikalen setzten wieder einmal auf die Angstkarte. Die Angst vor dem Fremden sollte geschürt werden, wo es doch eigentlich gar keine Fremden (mehr) gab. Keine zwei Minuten später aber dann eine völlig andere Realität: Wie in 1.001 Nacht präsentierte sich die neue Yunus-Emre-Moschee mit ihrer Kuppel, der Minarette und einem Waschbrunnen aus Marmor in ihrer ganzen osmanischen Architekturpracht. Im Hof der Moschee weilten rund 5.000 Gäste, die gemeinsam der Eröffnungsfeier der Moschee beiwohnten. Hier wurde man Zeuge der multikulturellen und multireligiösen Realität in Deutschland.

Nur die Wenigsten werden wissen, dass der Grundstein zu dieser Moschee am Tag der Deutschen Einheit im Jahr 2001 gelegt wurde. Ein symbolisches Ausrufezeichen für die ganze Gesellschaft - und so bewertete es auch der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet, indem er erneut betonte: „Der Islam ist ein Teil Deutschlands!“ In seiner Rede zur Eröffnung der Moschee hob er die Bedeutung des islamischen Religionsunterrichts an Schulen hervor. Er unterstrich, dass von religiösen Menschen keinerlei Gefahr ausgehe und dass es unter Gläubigen mehr Verbindendes als Trennendes gebe. Dann schloss er mit dem inzwischen wohlbekannten Motto „Yes We Can!“, nur diesmal auf Türkisch: Evet Yapabiliriz!

Auch der Hammer Oberbürgermeister war anwesend. Er wird von der Moscheegemeinde sehr geschätzt, insbesondere weil er von Anfang an ein offenes Ohr für sie hatte. Außerdem nahmen an den Feierlichkeiten viele weitere prominente Persönlichkeiten aus Politik und Religion teil; neben diversen Vertretern der muslimischen Community aus ganz Deutschland auch einige Repräsentanten der türkischen Partnerstadt Afyon.

Ich persönlich resümiere diesen Tag für mich so: Es gibt nicht nur eine Realität. Jeder hat es selbst in der Hand, sich zu entscheiden:

  1. Entweder für die Realität der Plakate, auf denen versucht wird, durch Anfeindungen Überfremdungsängste in der Bevölkerung zu schüren und Mauern zwischen christlichen und muslimischen Bürgern zu errichten. Wer diese Realität wählt, unterteilt seine Welt im Sinne der Schwarzweißmalerei in Gut und Böse. Doch sollte er beachten, dass Angst und Hass nicht zuletzt auch die eigene Zukunft zerstören.
  2. Oder für jene Realität, die vor Ort besichtigt werden konnte und in der durch gemeinsame Aktivitäten eine Zukunft des Miteinanders aufgebaut wird. Diese Realität entspricht ganz der Philosophie von Yunus Emre, dem Namenspatron der Moschee. Yunus Emre war ein Wanderderwisch, der im 13. Jahrhundert gelebt hat. Seine Liebe zu Gott und den Menschen ist in vielen Herzen bis zum heutigen Tage lebendig geblieben.

Was für eine Zukunft also wünschen wir uns? Eine von Feindschaft und Ausgrenzung oder eine von Freundschaft und Gemeinsamkeit geprägte? Eines jedenfalls steht fest: Die zweidimensionale Realität der Protestplakate deckt sich nicht mit der vieldimensionalen Realität vor Ort, wo man sich Hand in Hand für die Zukunft unseres gemeinsamen Deutschlands stark macht und für Toleranz und Frieden weiße Tauben in den Himmel aufsteigen lässt.

28. Juli 2010

Weitere Artikel des Autors                                                                                         

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg
 
 

INID-Autoren

Gastautoren









 

Rechtlicher Hinweis:

Das INID-Institut übernimmt keinerlei Verantwortung für die Inhalte einzelner Artikel. Jeder Artikel spiegelt allein die persönliche Meinung seines Autors bzw. seiner Autorin wider. 

 

Unterstützen Sie uns: