Die erstaunliche Olive
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Musa Saracoglu

Je wichtiger Dinge oder Menschen sind, desto mehr Beachtung schenken wir ihnen. Wenn Gott, der Herr des Universums, etwas namentlich in Seiner Offenbarung an die Menschheit erwähnt, sollten wir mit Sicherheit hellhörig werden.

In den Suren al-An’am, an-Nahr, an-Nur, Abasa und at-Tin verweist der Koran indirekt auf die Olive. Indirekt umschreibt er sie in der Sure al-Mu’minun. In der Sure at-Tin gibt uns Gott Sein Ehrenwort beim Feigenbaum und beim Ölbaum. Wenn man sich die Koranverse und die Aussprüche des Propheten hinsichtlich der Olive genauer anschaut, wird man sehr schnell erkennen, dass der Islam der Olive selbst, ihrem Baum und ihrem Öl große Wertschätzung entgegenbringt.

Olivenbäume

Olivenbäume, die im Durchschnitt 300 bis 400 Jahre alt werden, wachsen vor allem in der Türkei, in Griechenland, Italien, Spanien und Nordafrika, seit dem 16. Jahrhundert auch in Nord- und Südamerika, China und Japan.

Zwar wird die Olive ‚erst‘ seit 6.000 Jahren gezüchtet, doch Olivenbäume gibt es schon sehr viel länger. Bei archäologischen Ausgrabungen auf der griechischen Mittelmeerinsel Santorini fand man 39.000 Jahre alte Olivenbaumversteinerungen. Bei Ausgrabungen in der alten Stadt Klazomenai in der Nähe von Izmir in der Türkei stellte sich heraus, dass diese einst ein bedeutendes Zentrum für Oliven und Olivenöl war. Heute gibt es über 900 Millionen Olivenbäume auf der Welt. 98% davon wachsen in den Mittelmeerländern, wo sie ca. 10 Millionen Hektar Land beanspruchen.

Die Besitzer von Olivenplantagen profitieren nicht nur von den Früchten selbst, sondern auch von den Ästen, Blättern und Wurzeln der Bäume. Die Blätter schneidet man ab und lässt sie trocknen. Anschließend werden sie als Tierfutter verwendet oder zu unterschiedlichen Arten von Volksmedizin verarbeitet. Die Äste und die abgeschnittenen Wurzeln werden als Feuerholz genutzt.

Die besonderen Eigenschaften der Olive

Jeder Olivenbaum trägt in einem Jahr reichlich Früchte, im Folgejahr dann nicht ganz so viele, abhängig auch von den klimatischen Bedingungen und den Anbaumethoden.

Oliven wiegen zwischen 2 und 12 Gramm. Der Kern macht etwas 13-30%, der essbare Teil 66-85% des Gesamtgewichts aus. Schwarze Oliven, die man zum Frühstück isst, haben eine dünnere Haut und einen kleineren Kern. 100 Gramm des essbaren Teils von gewöhnlichen grünen Oliven weisen 144 Kalorien auf. Sie enthalten 13,5 Gramm Öl, 2,8 Gramm Kohlenhydrate, 1,5 Gramm Proteine, 90 Milligramm Kalzium, 2 Milligramm Eisen und 300 Einheiten Vitamin A. Beide Olivenarten enthalten darüber hinaus auch geringe Bestandteile anderer Vitamine und Mineralien.

Demnach sind Oliven nicht nur wertvolle Speiseöllieferanten, sondern spenden uns auch beträchtliche Mengen an Vitamin A, Eisen und Kalzium. Die Nahrhaftigkeit der Olive wurde von Wissenschaftlern eingehend studiert und ist inzwischen unumstritten.

In den letzten Jahren förderten wichtige Studien zu Tage, dass die Proteine der Oliven eine zuvor unbekannte Gruppe von Substanzen enthalten. Bis heute wurde diese Gruppe jedoch noch nicht genügend erforscht.

Forscher an der Universität Messina, Italien, studierten Secoiridoide (Bitterstoffe), die sie in Polyphenolen (sekundären Pflanzenstoffen, die in einzelne Stoffklassen unterteilt werden) der Olive fanden, und deren Wirkung auf Mikroorganismen. Sie stellten fest, dass diese Secoiridoide das Entstehen bzw. Wachstum einiger krankheitsverursachender Bakterien im Atmungs- und Verdauungsapparat unterbinden. Im Lichte dieser neuen Erkenntnisse über Oliven und Olivenöl ließen sich bestimmte Substanzen identifizieren und isolieren, die in der Zukunft als potenzielle Quellen für neue Antibiotika dienen könnten.

Olivenöl

Von dem wichtigsten Produkt der Olive, dem Olivenöl, werden alljährlich 1,6-2,6 Millionen Tonnen produziert. 75-80% davon werden in den Erzeugerländern konsumiert, der Rest wird exportiert.

Olivenöl wird gewonnen, indem man Oliven auspresst und ihren so genannten schwarzen Saft extrahiert. Chemische Verfahren kommen dabei nicht zum Einsatz. Man unterscheidet drei vor allem drei Arten von Olivenöl:

  • Natürliches Olivenöl, das die beste Qualität aufweist und in natürlichem Zustand genossen werden kann, wird vor allem in Salaten und Saucen verwendet.
  • Raffiniertes Olivenöl, das mit physischen Verfahren behandelt und mit ihrer Hilfe geschmackvoller gemacht wurde, enthält weniger Säure und wird normalerweise beim Kochen gebraucht.
  • Rivieraöl besteht aus raffiniertem Olivenöl, dem 10-20% natürliches Olivenöl zugesetzt wurden. Es eignet sich hervorragend zum Braten, aber auch zum Kochen.

Olivenöl, das zu 99,8% aus Triglycerid (einem Öl) besteht, setzt sich zusammen aus 14% gesättigten Fettsäuren, 72% einfach ungesättigten und 12% mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Weiterhin enthalten 1 Kilo Oliven 300 Milligramm Phenol und 150 Milligramm Tocopherol. (Beides sind entzündungshemmend wirkende Substanzen.) Wenn man Olivenöl mit anderen Speiseölen vergleicht, fällt vor allem dessen sehr hoher Prozentsatz an Ölsäure, einer einfach ungesättigten Fettsäure, ins Auge.

Die wohl tuenden Wirkungen des Olivenöls

Bemerkenswerterweise sind in den Mittelmeerländern, in denen eine große Menge an Olivenöl konsumiert wird, weit weniger Fälle von Herz- und Krebserkrankungen zu verzeichnen. Dahinter könnte Folgendes stecken: Cholesterin, das dafür bekannt ist, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verursachen, wird von zwei Gruppen von Lipoproteinen in unserem Blut transportiert: von LDL-Cholesterin (Low-Density Lipoprotein; auch böses Cholesterin genannt) und von HDL-Cholesterin (High-Density Lipoprotein; auch gutes Cholesterin genannt). Das HDL-Cholesterin scheint die Gefäße vor Fettablagerungen zu schützen. Erhöhte HDL-Cholesterin-Werte verheißen also einen relativen Schutz vor Arteriosklerose, die im Extremfall zum Herzinfarkt führen kann. Auf der anderen Seite ist jedoch das LDL-Cholesterin der Hauptverursacher von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Geringere LDL-Spiegel und höhere HDL-Spiegel im Blut bedeuten also eine stärkere Widerstandskraft gegenüber Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie lassen sich aber nun höhere HDL-Cholesterin-Werte erzielen. In erster Linie durch Ausdauersport, aber auch durch die Verwendung von pflanzlichen Ölen (an Stelle von tierischen Fetten) und insbesondere Olivenöl.

Die Risiko-senkende Wirkung der Olive wird vermutlich durch den Antioxidationseffekt (entzündungshemmenden Effekt) ihrer Phenole hervorgerufen. Dieser Effekt trägt wohl dazu bei, dass Schäden an der DNA repariert werden können, indem diejenigen Substanzen, die Schäden anrichten, neutralisiert werden. Forscher an einem deutschen Institut für Krebsforschung berichten auch, dass die Eigenschaften bestimmter Phenole der Olive die Entstehung von Herzgefäßerkrankungen und Krebsarten wie Darmkrebs, Brustkrebs und Hautkrebs verhindern.

An der Universität von Sevilla, Spanien, erschien ein Artikel, der ebenfalls die positive Wirkung des Olivenöls beschreibt. In ihm heißt es, dass Olivenöl das Krebsrisiko verringert, indem es das LDL-Cholesterin in unserem Blut senkt und den HDL-Anteil steigert. Insbesondere durch seinen Trglyceride-Metabolismus verringere sich das Risiko, an Dickdarm- oder Brustkrebs zu erkranken. Außerdem verhindere es Kalkablagerungen in der Gallenblase und Autoimmunkrankheiten wie die rheumathoide Arthritis. Schließlich wirke es der Bildung von Magengeschwüren entgegen und fördere die Ausheilung von bereits vorhandenen Magengeschwüren.

Eine in Japan durchgeführte Studie beschäftigte sich mit der äußeren Wirkung von Olivenöl. Dort setzte man Ratten Krebs erregenden ultravioletten Strahlen aus. Dann unterteilte man sie in drei Gruppen. Die erste Gruppe bestrich man nicht mit Olivenöl, die zweite Gruppe nur vor den Bestrahlungen und die dritte nur nach den Bestrahlungen. Man fand heraus, dass die dritte Gruppe eine viel geringere Rate an Krebserkrankungen aufzuweisen hatte als die ersten beiden.

Fazit

Der Allmächtige Eine, der unsere Herzen und unsere Blutgefäße ebenso kennt wie den Mechanismus, durch den Krebs entsteht, hat ein Heilmittel in einen Baum gelegt, der ganz in unserer Nähe wächst. Wahrscheinlich birgt die Olive weitere positive Eigenschaften, die uns heute noch gar nicht bekannt sind. Wenn diese aber entdeckt werden, wird der Verbrauch von Olivenöl weiter ansteigen, und die Olive wird die Entwicklung neuer Arzneimittel und Behandlungsverfahren vorantreiben. Aber schon heute findet Olivenöl auch in der Medizin und in der Kosmetikindustrie Verwendung. Beispielsweise werden mehrere Haut- und Haarerkrankungen mit Olivenöl behandelt.

(Aus der Zeitschrift Fontäne, Ausgabe 22, 2003)

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