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Nuri Balta
Was wäre, wenn es den Mond nicht gäbe? Welches Klima würde auf der Erde herrschen, würde wohl trotzdem eine so reiche Vielfalt an Lebewesen existieren? Und was wäre wenn der Mond kleiner oder größer wäre, als er heute ist? Ist der Mond mit seiner Masse ganz zufällig in die Umlaufbahn der Erde geraten? Die Wissenschaft jedenfalls hat längst erkannt, dass Erde und Mond untrennbar miteinander verbunden sind. Die harmonische, vollkommen ausbalancierte Koexistenz dieser beiden Himmelskörper bildet eine von vielen Grundvoraussetzungen für das Leben auf dem Planeten Erde. Nichts im Universum ist durch Zufall entstanden, auch nicht der Mond; er wurde als ein Element des Gleichgewichts erschaffen, wie auch ein Koranvers bestätigt: Die Sonne und der Mond kreisen nach einer festgesetzten Berechnung. (55:5) Und dieses Gleichgewicht war und ist neben zig anderen Bedingungen für das Leben auf der Erde unabdingbar.
Der Mond ist ein Himmelskörper ohne Atmosphäre. Seine Oberfläche ist nahezu vollständig von einer trockenen, aschgrauen Staubschicht und von Kratern überzogen. Sein Durchmesser entspricht mit 3.476 km etwa einem Viertel des Durchmessers der Erde. Er ist ca. 81-mal leichter als die Erde und sein Volumen 50-mal geringer. Vom Mittelpunkt der Erde ist der Mond ungefähr 385.000 km entfernt. Er umkreist die Erde in 28 Tagen. Allerdings war diese Entfernung nicht immer so groß. Anfangs betrug sie wahrscheinlich nur 22.000 km.
Wie der Mond entstanden ist, wird seit Jahrhunderten diskutiert. Seit Mitte der 1980-er Jahre geht man allgemein davon aus, dass er aus einem seitlichen Zusammenstoß der Proto-Erde mit einem Körper namens Theia hervorgegangen ist, der etwa so groß war wie der Mars. Diese Kollisionstheorie besagt weiter, dass ein großer Teil der abgeschlagenen Materie beider Körper in eine Umlaufbahn um die Erde gelangt ist.
Der sichtbarste Effekt, den der Mond auf die Erde ausübt, tritt in den Gezeiten der Weltmeere zutage. Nach dem Prinzip der ‚universalen Anziehungskraft‘ ziehen sich Massen gegenseitig an - so auch Erde und Mond: Die Schwerkraft der Erde zieht den Mond an, und die Schwerkraft des Mondes umgekehrt die Erde. Man kann sich dies so vorstellen, als seien Erde und Mond wie durch ein unsichtbares Band miteinander verbunden. Besonders stark wirkt die Anziehung zwischen den beiden Planeten an dem Punkt, wo sich Erde und Mond gerade am nächsten stehen. Dort beulen der Mond oder seine Anziehungskräfte die Erde immer ein wenig aus. Das Wasser wird zum Mond hingezogen und steigt, es gibt Flut. Flut herrscht zur gleichen Zeit aber auch auf der gegenüberliegenden Seite der Erde, die vom Mond am weitesten weg ist. Dafür ist allerdings nicht der Mond verantwortlich, sondern die Drehung der Erde, die Fliehkräfte erzeugt. Die Fliehkräfte sind den Anziehungskräften entgegengesetzt. In ihrem Zusammenspiel bewirken Fliehkräfte und Anziehungskräfte, dass auf der dem Mond zugewandten Seite und auf der dem Mond abgewandten Seite gleichzeitig Flut herrscht. Aus den dazwischen liegenden Gebieten hingegen fließt das Wasser ab, dort entstehen Ebbtäler. Mit der Drehung von Erde und Mond wandert der Wasserberg immer weiter, was die regelmäßige Abfolge von Ebbe und Flut bedingt. Die Gezeiten werden also entscheidend vom Mond beeinflusst, zu einem geringeren Teil jedoch auch von der Sonne. Ihre Wirkung liegt bei ca. 40 Prozent der Wirkung des Mondes.
Der Zyklus von Ebbe und Flut wirkt auch auf den Mond selbst zurück. Die Gezeiten auf der Erde führen ihm permanent Energie und Drehimpuls zu. Dadurch wächst der Abstand zwischen Erde und Mond pro Jahr um ca. 4 cm. Auf der anderen Seite bremsen die Gezeiten die Erdrotation. Infolgedessen werden die Tage pro Jahr um etwa 16 Mikrosekunden länger. Was für uns weder sichtbare noch spürbare Auswirkungen haben mag, zeigt langfristig durchaus Effekte. So dauerte vor rund 500 Millionen Jahren ein Tag auf der Erde nur um die 21 Stunden und zur Zeit der Erschaffung des Mondes sogar nur 8 Stunden. Wenn der Mond nicht existieren würde, wäre ein Erdentag auch heute nur 8 Stunden lang. Dann gäbe es keine Gezeiten auf der Erde, die Erdrotation wäre nicht gebremst worden, und unser Planet würde sich dreimal schneller drehen als derzeit. Weil bei schnellerer Drehung auf der Oberfläche stärkere Winde entstehen, ist anzunehmen, dass Stürme das Klima auf der Erde dominieren würden. Dieses Phänomen lässt sich per Teleskop auch zum Beispiel auf den Planeten Jupiter und Saturn beobachten. Beide drehen sich schnell um sich selbst und haben Tage von ca. 10 Stunden. Und auf beiden toben orkanartige Stürme mit Geschwindigkeiten um die 500 km/h. Wenn es den Mond nicht gäbe, wäre auf der Erde mit lang andauernden Wirbelstürmen von ca. 160 km/h zu rechnen. Allein diese würden die Lebensbedingungen von Menschen und anderen Lebewesen schwer beeinträchtigen. Grundlegende menschliche Aktivitäten könnten sich so kaum entfalten. Die Erde ohne Mond wäre für uns Menschen eine lebensfeindliche Umgebung.
Der Mond bedingt die Gezeiten und bremst die Erdrotation. Noch wichtiger jedoch ist, dass er die Drehachse der Erde bei 23,5 Grad Neigung stabilisiert; denn deren Lage wäre ohne den Einfluss des Mondes wohl kaum über Milliarden von Jahren konstant geblieben. Zwar ist es die Sonne, die unseren Planeten mit Energie versorgt; doch dreht sich die Erde erst dank des Mondes und seiner Anziehungskraft gleichmäßig um ihre stabile Achse. Aus dem den „Tanz“ dieser beiden Himmelskörper resultierte mit der Zeit ein stabiles Klima, und somit wurde Leben auf der Erde möglich.
Ohne den Mond würde die Erde von der Anziehungskraft der anderen Planeten zum Taumeln gebracht, die Erdachse würde sich um bis zu 85 Grad neigen. Computersimulationen haben gezeigt, dass aufgrund des veränderten Einstrahlwinkels der Sonne die Tropen schon bei einer Neigung von 60 Grad Celsius in Schnee und Eis versänken - in krassem Gegensatz zu den Polarregionen, die auf bis zu 80 Grad Celsius aufgeheizt würden. In Mitteleuropa ginge die Sonne im Sommer mehrere Monate lang nicht unter, während im Winter durchgehend Nacht herrschen würde. Temperaturen von 60 Grad im Sommer stünden dann frostige -50 Grad im Winter gegenüber. Kaum denkbar, dass unter solchen Bedingungen Leben hätte gedeihen können.
Möglicherweise leisten die Gezeitenkräfte des Mondes auch einen Beitrag zur Entstehung des elektromagnetischen Feldes, das die Erde umgibt. Dieses Feld fängt einen Großteil der kosmischen Strahlung aus dem Weltall ab und schützt die Erde auch vor Meteoriten. Eine weitere Wirkung des Mondes auf die Erde besteht darin, dass er Sonnenlicht auf die Erde reflektiert, was zu einer allerdings nur geringen Erwärmung der Erde von 0,2 Grad führt.
Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurden Sonne und Mond oft zu kalendarischen Zwecken genutzt. Auf diesen Dienst der beiden Himmelskörper weist uns auch der Koran hin:
Wir haben die Nacht und den Tag zu zwei Zeichen gemacht…damit ihr um die Anzahl der Jahre und die Berechnung (der Zeit) wissen mögt. (17:12)
Der Mond ist der einzige natürliche Satellit der Erde. Er ist, wie eingangs erwähnt wurde, 81-mal leichter als die Erde, hat also nur 1,23 % ihrer Masse. Und genau dieses Gewicht wird für die Stabilisierung unseres Planeten benötigt. Das Zusammenspiel von Mond und Erde ist für das Leben auf unserem Planeten in vielerlei Hinsicht absolut unentbehrlich; fast zwangsläufig muss der Eindruck entstehen, dass der Mond eigens dafür erschaffen wurde, Leben auf der Erde zu ermöglichen. Nichts anderes als diese Schlussfolgerung lässt auch der folgende Koranvers zu:
„Er hat die Nacht zum Ausruhen gemacht und die Sonne und den Mond zur Berechnung (der Zeiteinteilung). Das alles ist Bemessung des Ruhmreichen von unwiderstehlicher Macht, des Wissenden.“ (6:96)
Der Eine, der den Himmel hoch (über die Erde) gewölbt und die Waage (der Gerechtigkeit) errichtet hat (55:7), hat den Mond in unendlicher Weisheit zum Wohle der Menschheit erschaffen, damit sie aus ihm Nutzen ziehe.
(Aus der Zeitschrift Fontaene, Ausgabe 44, 2009)
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