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E. Dumanli
So mancher mag es sich kaum vorstellen, dass es Menschen gibt, die vor ihrem Computer sitzen und auf bestimmten Websites in virtuellen Dschungeln auf Menschenjagd gehen. Was geht wohl in Leuten vor, die wehrlose und schwache virtuelle Menschen verfolgen? Fühlen sie wohl etwas dabei, wenn sie Unschuldige töten? Verschafft ihnen das eine persönliche Genugtuung und empfinden sie ihren Opfern gegenüber Hass oder Mitleid?
In diesem Artikel soll es nicht darum gehen, wer eigentlich wen hasst, sondern vielmehr um die Frage, warum Menschen andere Menschen nur auf Grund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder bestimmter Vorstellungen verachten. Rassismus ist kein Phänomen unserer Zeit, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Unzählige Menschen sind Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, die direkt oder indirekt auf Rassismus zurückzuführen sind.
Wer war der erste Rassist auf Erden?
Der erste Rassist auf Erden war der Satan, denn er hasste Adam. Im Koran heißt es:
Und als Wir zu den Engeln sprachen: „Werft euch vor Adam nieder!“, da warfen sie sich nieder bis auf Iblis. Er sagte: „Soll ich mich vor einem niederwerfen, den Du aus Ton erschaffen hast?“ (17:61)
Was war der größte Fehler des Satans? Anstatt die Realität der Mannigfaltigkeit der Schöpfung zu akzeptieren, versuchte er, seine Ablehnung Adams zu rechtfertigen. Er bestand auf seiner Meinung, er sei edlerer Abstammung als dieser. Er dachte nicht darüber nach, ob Unterschiede in Hautfarbe, Nation oder sozialem Umfeld nicht vielleicht gewollt waren, sondern verteidigte seinen rassistischen Standpunkt, allen anderen überlegen zu sein:
Und Wir hatten euch erschaffen, dann gaben Wir euch die Gestalt; dann sprachen Wir zu den Engeln: „Werft euch vor Adam nieder!“, und sie alle warfen sich nieder. Nur Iblis nicht; er gehörte nicht zu denen, die sich unterwarfen. (7:12)
Diese Auffassung, anderen überlegen zu sein, teilen auch heute noch viele Menschen. Alle rassistischen Gruppen und ihre Anhänger haben ähnliche Argumente verwendet, um ihre Meinungen zu untermauern und zu beweisen, dass sie die besten aller Menschen sind. Ihr Beharren sorgte immer wieder für Blutvergießen.
Wir leben in einer Phase des schnellen Wandels. Die Medien sorgen dafür, dass dieser Wandel an niemandem vorübergeht. Dabei werden sie jedoch auch oft von Organisationen missbraucht, die den Hass auf ihre Fahnen geschrieben haben. Natürlich ist dies kein ganz neues Phänomen: Schon im Jahre 1922 hatte der italienische Faschist Mussolini begriffen, welchen Einfluss das Radio, dieses damals noch ganz neue Medium, einmal haben würde. Sobald die Technik es erlaubte, machte er es sich zu Nutze. Einige Jahre später gestand er ein, dass er ohne das Radio wohl niemals eine so große Macht über das italienische Volk gewonnen hätte.
In den letzten Jahren ist das Internet zunehmend zum wichtigsten Kommunikationsmittel der extremistischen Propaganda geworden. Nazipropaganda in Deutschland oder Werbung für den Ku Klux Klan in den USA erfreuen sich großer Beliebtheit. Entsprechende Web-Sites werden von Millionen von Menschen besucht. Warum sollten die Betreiber diese Sites auch die Risiken und Kosten öffentlicher Demonstrationen und Protestaktionen in Kauf nehmen, wenn sie doch im Internet problemlos ihre Ideen verbreiten können?
Inwieweit lassen sich Menschen von Web-Sites beeinflussen, die zum Hass aufrufen?
Im Zuge von Ermittlungen nach rassistischen Übergriffen auch in Deutschland wurde deutlich, dass es ein ganzes Netzwerk von Organisationen gibt, die insbesondere Jugendliche ganz gezielt im Internet ansprechen. Teils geschieht dies ganz offen, teils aber auch verdeckt, z.B. über rechtsradikale Musiktitel, die zwischen anderen Stücken platziert werden. Auch Sites, die ganz anderen Zwecken dienen sollen und dienen, werden von solchen Organisationen vereinnahmt: Über die ‚Napster‘-Web-Site und ähnliche Sites lassen sich selbstverständlich auch Songs herunterladen, die zur Gewalt gegen andere Menschen aufrufen.
Warum sind gerade Jugendliche Ziel dieser Propaganda? Auch wenn es den Menschen heute leichter denn je fallen sollte, mit anderen zu interagieren und zu kommunizieren, fühlen sich viele sehr einsam. Das Teilen gemeinsamer sozialer und moralischer Werte mit Gemeinschaften wie z.B. der Familie ist in den Hintergrund getreten. Die Menschen verlieren sich selbst und suchen deshalb nach einer neuen Identität, mit der sie ihre individuellen und sozialen Krisen meistern können. Gerade viele Jugendliche fühlen sich aus dem sozialen System ausgeschlossen und machen eine Identitätskrise durch. Sie fühlen sich im Stich gelassen, vernachlässigt und verunsichert. Musik, in der Gewalt eine Rolle spielt, übermittelt ihnen Botschaften, die die Wichtigkeit der Rebellion gegen soziale Disziplin und Autorität hervorheben. Mitglied einer Gruppe zu sein und sich von anderen abzugrenzen, ist für viele Jugendliche, die nur Schwarz und Weiß oder Gut und Böse sehen, ein legitimer Weg, sich eine neue soziale Identität aufzubauen.
Die Verbreitung von Hass durch die Medien ist ein sehr komplexes Problem, dass nicht so einfach aus der Welt geschafft werden kann. Sozialwissenschaftler und Menschenrechtsorganisationen bemühen sich darum zu lernen, wie man der Hass-Propaganda in den Medien am wirkungsvollsten begegnet. Hier einige Anregungen:
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handeln - Gleichgültigkeit bedeutet stillschweigende Akzeptanz;
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sich zusammenschließen - sich Gruppen anschließen, die sich dem Hass widersetzen und darauf hinarbeiten, diesen zu beseitigen;
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die Opfer unterstützen - die Opfer nicht im Stich lassen und ihnen versichern, dass man zu ihnen hält. Jede Drohung gegen die eigene Person sollte sofort öffentlich gemacht werden;
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sich Wissen aneignen - lernen, wie man Gruppen, die zu Gewalt aufrufen, identifiziert, und dieses Wissen mit anderen teilen;
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eine Alternative bieten - ein anderes Ventil für Wut und Frustration finden und Kapital daraus schlagen, dass die Menschen etwas unternehmen wollen, um der Gewalt zu begegnen;
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kein Blatt vor den Mund nehmen - Hass, wo immer er uns begegnet, anprangern und verurteilen;
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Einfluss auf führende Persönlichkeiten nehmen - hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sport davon überzeugen, im Interesse ihres guten Rufes und ihrer Geschäfte Stellung gegen den Hass zu beziehen;
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langfristig denken - besonnen gemeinsam Vorurteile abbauen und die Verschiedenartigkeit und Harmonie der Gesellschaft als positiv herausstreichen;
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Toleranz lehren - Vorurteile werden schon in früher Kindheit und normalerweise im Elternhaus erlernt, deshalb: ein Gefühl von Zusammengehörigkeit erzeugen und Jugendlichen zur Seite stehen, wenn diese mit Skinheads oder anderen Hass-Gruppen in Kontakt kommen;
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sich selbst überprüfen - eigene Vorurteile ermitteln und dann dazu übergehen, Vorurteile in der Gesellschaft zu beseitigen.
Zensur
Eines der umstrittensten medienpolitischen Themen ist die Zensur. Regierungen sind dazu verpflichtet, ihre Bürger vor rassistischen Organisationen und deren Propaganda zu schützen. Deutschland, Frankreich und Kanada beispielsweise bemühen sich, Menschen die die Medien und insbesondere das Internet für die Verbreitung ihres aggressiven Gedankenguts missbrauchen, zu fassen. Doch an dieser Stelle müssen zwei grundlegende Frage beantwortet werden: Wer definiert, wie der Schutz der Allgemeinheit beschaffen sein soll, und in welchem Verhältnis soll dieser Schutz zum Recht auf freie Meinungsäußerung stehen? Die Propaganda einfach nur zu verbieten, kann keine Lösung sein, denn immer wieder haben Regierungen in der Vergangenheit ihre Autorität missbraucht. Abgesehen davon erschweren die moderne Technologie und die Produkte, die diese hervorgebracht hat, die Abschaffung der Staatsgrenzen und der chronische Geldmangel der Behörden die Kontrolle bestimmter Gruppen ungemein.
Was kann der Einzelne tun?
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Wer im Bildungssektor oder im Handel tätig ist, kann darauf hin wirken, dass seine Schüler bzw. Angestellten kultureller Vielfalt einen hohen Wert beimessen. Schulen sind für viele Schülerinnen und Schüler die ersten Orte, an denen sie mit unterschiedlichen Kulturen und Menschen in Berührung kommen. Der Handel bringt oft Menschen zusammen, die sonst nie miteinander kommunizieren würden, und beseitigt Stereotypen. Sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern lassen sich selbst tief verwurzelte Vorurteile ausräumen. Zudem sollte die Bedeutung des Friedens immer wieder betont und zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz und anderswo vorgelebt werden.
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Wer die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten besitzt, sollte sich eine eigene Anti-Hass Web-Site aufbauen. Wem dies aber zu schwierig ist, kann immer noch die Informationen anderer Anti-Hass Web-Sites weiterverbreiten, an ihren Aktivitäten teilnehmen oder sie finanziell unterstützen. Viele Links zum Thema finden sich z.B. auf der Web-Site: Anti-Hass Web-Site www.jugendinfo.de/themendb/get_table.php3?toptabelle=indexdir&tabelle=Antihass
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Alle Radioprogramme und alle Musikstücke, die zu Gewalt aufrufen oder diese rechtfertigen, sind zu meiden und zu boykottieren. Eventuell kann man auch die Sender selbst anschreiben und auffordern, entsprechende Programme abzusetzen. Kinder sollte man davon überzeugen, diese Programme nicht länger anzuschauen oder zu hören. Verbote sollte man aber auf jeden Fall begründen. Sponsoren und Produzenten sind gegen öffentliche Kritik und ein negatives Image nicht immun. Gerade die einflussreichsten Sendeanstalten sollten daran erinnert werden, dass sie dafür verantwortlich sind, ihrem Publikum zu zeigen, wie man in einer Welt ohne Hass zusammenlebt. Wenn religiöse oder rassistische Diskriminierung toleriert oder sogar gefördert werden, sollte man bedenken, dass die Medien schon vorhandene negative oder gestörte Ideen und Rassismus weiter verstärken.
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Man kann sich Gruppen anschließen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Hass-Botschaften zu bekämpfen. Im eigenen Bekanntenkreis sollte man die Gründe des eigenen Engagements gegen den Hass herausstreichen. Vor allem aber sollte man betonen, dass Hass, Gewalt und Rassismus die Zukunft der Menschheit gefährden.
(Aus der Zeitschrift Fontäne, Ausgabe 16, 2002)
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